als hätte es Asche geregnet
Januar 26th, 2010[current music: The Kinks - shangri-la]
Ständig holt sie das Handy hervor und schaut sich eine bestimmte Nummer an. Eine Nummer zu einem Namen, der von der Länge her nie vollständig eingegeben werden konnte und daher Abkürzungen bedurfte, die ihr alle nicht gefielen. Sie überlegt, die Nummer zu löschen. Denn die Person, die zum Namen gehört, ist nicht mehr da. Aber wenn sie den Namen auch noch löscht, ist es so endgültig. Und eigentlich hat sie ihm nie gesagt, was sie von ihm gehalten hat, was sie über ihn dachte.
Dann ist da der Wald. Auf einem Hügel. Alles voll Asche. Der Boden, die Bäume, die Blätter und Nadeln der Bäume, die Holzhütten. Als hätte es Asche geregnet. Hier irgendwo muss die Person sein, der die Nummer gehörte. Unter der Asche. Zu dritt oder viert laufen sie durch die Asche, schütteln hin und wieder Asche von den Blättern der Bäume, wühlen mit ihren Schuhen in der Asche in der Hoffnung auf etwas zu stoßen. Einmal hängt ein Ring am Ast eines Baumes. Einige Knochen daneben.

Jetzt, wo ich wieder blogge, kann ich auch wieder nächtliches Traumgeschehen hier notieren. Auch auf die Gefahr hin, dass irgendwelche an Traumdeutung und Tiefenpsychologie interessierten Menschen hieraus irgendwelche Defekte meiner Persönlichkeit herauslesen.
Ansonsten: Angesichts des Kontoauszuges, der nicht vorhandenen Ordnung, der zu erledigenden Aufgaben und meiner Zukunftsaussichten würd ich mich gerade am liebsten zum Sterben in mein Zimmer legen.
Hamster vs. Urzeitkrebse
Januar 19th, 2010[current music: Easybeats - friday on my mind]
Peinlich ist, wenn man am hell beleuchteten Schreibtisch sitzt, so tut als würde man an der Magisterarbeit schreiben, aber eigentlich zur Musik mitgrölt, imaginäres Schlagzeug spielt und ab und zu angstrengt in das neben einem stehende, mit Wasser gefüllte Glasbecken mit einer Lupe starrt, um dann zu sehen, dass man vom Haus gegenüber von einem Kieferchirurgen mit verschränkten Armen womöglich seit geraumer Zeit beobachtet wird.
Überhaupt: Das Glasbecken lenkt mich schon ziemlich ab. Darin schwimmt seit heute ein kleiner Urzeitkrebs. Der ist so klein, dass ich jedesmal zehn Minuten brauche, um ihn wiederzufinden. In der Zwischenzeit befällt mich die Panik, dass er bereits schon wieder gestorben ist. Die meiste Zeit zappelt er an einer Stelle herum. Ich weiß nicht, was die Erstgeburt da tut. Vielleicht nagt er irgendwelchen Dreck von der Scheibe oder wartet darauf, dass auch seine Geschwister schlüpfen.
Eigentlich wollte ich ja einen Hamster haben, denn der ist nachtaktiv, relativ pflegeleicht und kurzlebig. (Ist nicht so wie bei den Äffchen, die 40 Jahre alt werden und die von verrückten Hausmuttis, die keine eigenen Kinder haben können, wie Menschenbabys behandelt und totgepflegt werden.)
Nun will ich vielleicht doch keinen Hamster mehr, weil ich so wenig Platz habe und ja doch ständig laut Musik höre, mitgröle und Luftschlagzeug spiele. Und an Weihnachten ist auch niemand hier, der sich um das Tier kümmern kann. Urzeitkrebse sind da schon besser für mich. Die leben höchsten drei Monate, sind tagaktiv, ertragen meinen Lärm und können auch mal alleine bleiben.
Allerdings beansprucht mich die Zucht der Tiere schon ein bisschen. Ständig studiere ich Anleitungen, bestelle Heizstäbe, Futter und Eier verschiedenster Arten oder schleppe Kanister mit destilliertem Wasser durch die Stadt. So kann man sich auch gut von den wichtigeren Dingen des Lebens ablenken.
Ein bisschen Angst habe ich ja schon, dass das alles aus dem Ruder läuft und ich irgendwann fünfzehn verschiedene Becken in der Fensterbank stehen habe, die Krebse sich unkontrolliert vermehren, Lungen entwickeln und durch mein Zimmer krabbeln. Wobei es eigentlich auch eine ganz schöne Vorstellung ist, wenn aus den Urzeitkrebsen – wie bei South Park – eine intelligente Population wird, die Häuser baut und mich als gottartiges Wesen anbetet und mir eine Statue baut.

zweitausendundneun
Januar 18th, 2010[current music: André Herman Düne - harlem hospital]
Sonst fiel es mir irgendwie immer leichter Jahresrückblicke zu verfassen. Da konnte ich besser einordnen, was in dieses, was in jenes Jahr gehört. Gerade ist das schwierig. Aber wenn ich mich recht erinnere, war ich drei Mal im Urlaub. In Prag, Wernigerode und Berlin. Am liebsten war ich in Berlin. Da gibt es neben netten Menschen das CCCP, Vanillevodka, ein super Gruselkabinett, überhaupt tolle Einkaufsmöglichkeiten und kompetente Barmänner, die im zarten Alter von 15 Jahren den New Russian-Shot erfinden.
Schon vor dem erwähnten Berlin-Urlaub war ich einen Tag lang in Berlin und ich weiß noch, dass ich selten zufriedener und glücklicher war als auf der Fahrt dorthin. Nur weiß ich nicht mehr, warum. Das war Anfang Oktober. Im Oktober war eh noch alles mehr in Ordnung als es dann den Rest des Jahres war. Da ist alles aus dem Ruder gelaufen. Aber dank meiner guten Vorsätze für das neue Jahr, läuft jetzt alles wieder in geregelten Bahnen. Es wird sich besser benommen, es werden Urzeitkrebse gezüchtet, Bücher gelesen, Filme geschaut, Konzerte besucht und es wird was für die Uni getan.
Aufzählungen mag ich ja. Darum: Am meisten gehört hab ich 2009 wohl Bring me the Horizon, Gene, Mumford & Sons, Alexisonfire, Ingrid Olava und Röyksopp. Am liebsten gelesen: Sibylle Berg – Der Mann schläft. Am liebsten live gesehen: Oasis, Digitalism, Susanne Blech, The White Ghost Shivers und Alexisonfire.
Eigentlich war alles wie in den Jahren zuvor. Verlieben, ganz schnell entlieben, verlieben, flüchten, nicht schlafen können, zuviel schlafen, hinfallen und Angst haben. Manchmal wurde ich traurig, wenn ich geträumt habe, ich sei in Norwegen, es nach dem Aufwachen dann doch nicht war. Neulich Nacht hab ich geträumt, ich sei ein Vampir. Nach dem Aufwachen war ich keiner und auch traurig.





