sickgirl

Selbstbild, Fremdbild und so

Februar 28th, 2009

[current music: Shearwater - the kind]

Der erste Satz, den mir der Chef am ersten Tag meines Praktikums entgegenschleuderte, war so: “Wer sind Sie denn? Ah, Frau F.! Sahen Sie schon immer so aus? Ich meine vom Style….”
Ich so: “Äh, ja.” (Und in Gedanken: Was geht denn hier? Ich sah doch beim Vorstellungsgespräch genauso aus. Das ist doch erst zwei Monate her. Vielleicht waren die Haare noch ein bisschen heller, aber ich hatte doch sicher keine super bunten Klamotten an. Hat mich das bisschen Erkältung jetzt optisch so dahingerafft?)
Immerhin hat er mich nicht gleich wieder weggeschickt. Trotzdem machte mir angst, dass er so irritiert schien. So als wäre er entsetzt, was er sich da wieder für einen Asi-Studenten ins Haus geholt hat. Für den Rest des Tages habe ich diesen Gedanken dann allerdings verdrängt und versucht wenigstens mit meiner Leistung nicht auch noch negativ aufzufallen. Hat, glaube ich, geklappt.
Der nächste Schock folgte, als mich die Sekretärin einen Tag später fragte, ob ich denn Abiturientin sei. Ja, vor sieben Jahren war ich das mal. Aber daran, dass Leute das Alter grundsätzlich falsch schätzen, ist man ja gewohnt. Macht auch nichts. Lieber jünger als älter geschätzt werden. Wenn das auch in Zukunft so bleibt, wäre das ja durchaus fantastisch. Dann kann ich erstmal von Augenlidstraffungen, Botox und all dem absehen.
Die Hautärztin vor ein paar Tagen hielt mich wohl auch für jünger, denn sie sagte ständig “du” – bis sie auf die Karteikarte und mein Alter schaute, danach siezte sie mich. Überhaupt schenkte sie mir die rezeptpflichtige Salbe und empfahl mir eine Creme, die “sehr billig” ist, aus dem Aldi. “Gar nicht teuer”, wiederholte sie sich. Da fragte ich mich natürlich, ob ich jetzt auch noch verarmt aussehe. Oder sie denkt generell, dass Studenten kein Geld haben.
Nach all diesen zweifelhaften Begegnungen, kann man nur noch beschämt und schlecht gelaunt reagieren, wenn man von älteren Männern angelächelt und mindestens zehn Jahre jüngeren Jungs, die Böhse-Onkelz-Pullover tragen und ihren Rucksack mit “A.C.A.B.” verzieren, ungeniert angestarrt wird. Denn das kann doch nichts Gutes bedeuten.

clouds

Februar 20th, 2009

[current music: A Static Lullaby - the pledge]

Der eine meint, ich sei ein Pathet, der andere sagt, ich hätte Stimmungsschwankungen. Und einer hat sogar erkannt, wieso ich nicht schlafen kann. Und ich, ich schäme mich manchmal für mich selbst. Für Sachen, die in meinem Kopf vorgehen, die selbst mich erschrecken. Ich schäme mich dafür, obwohl niemand von diesen Dingen wissen kann.
Und Schlafen kann ich immer noch schlecht.


Im Prager Zoo.

(Zwischen Text und Foto besteht natürlich kein Zusammenhang.)

Die Straßen Prags

Februar 17th, 2009

[current music: Ane Brun & Wendy McNeill - such a common bird]


Die Königin der Autobahnen

Februar 15th, 2009

[current music: Washington - aftermath]

Das mit den Mitfahrgelegenheiten ist ja so eine Sache. Entweder wird man stundenlang mit uraltem CD-Material von den Guano Apes, Mia und den 4 Non Blondes gequält oder muss sich musikalische Eigenkreationen des Fahrers anhören, was auch sehr schlimm sein kann. Schön ist auch die Erfahrung, dass es durchaus Menschen gibt, die, wenn der Radiomoderator Gute Fahrt! ruft, enthusiastisch mit Danke! antworten. Und das mehrmals pro Fahrt. Aber Musik und Gespräche mit dem Radiomoderator führen ja bekanntlich in den seltesten Fällen dazu, dass man sich bedroht fühlt oder das Reiseziel nicht erreicht.
Auf der heutigen Fahrt spielten Musik und Radiomoderator eine untergeordnete Rolle. Im Vordergrund stand: Bloß niemanden provozieren. Mit zwanzig Minuten Verspätung erschien das blaue Auto mit den zwei Jungs, die mich und einen weiteren Herren, ein Stückchen weiter Richtung Heimat bringen sollten (und auch wollten, muss man meinen; wenn man sich schon als Mitfahrgelegenheit zur Verfügung stellt).
Die erste Irritation war, dass ich beim Mitreisenden eine Bombe in der Tasche vermutete, denn dort schaute ein verdächtiger antennen-ähnlicher Stab heraus und ließ eine Apparatur in der Tasche vermuten, doch schnell musste ich feststellen, dass nicht von ihm, sondern von dem Mann mit dem Ringelpullover und dem mit den langen Haaren, die vorne im Auto saßen, die eigentliche Gefahr ausging. Der, der neben mir auf der Rückbank saß, sah das genauso.
Nach ungefähr zehnminütiger Fahrt entschlossen sich der Ringelpullovermann und der Langhaarige, eine dreiviertelstündige Pause im Burger King einzulegen – natürlich nicht ohne uns vorher das Geld abzunehmen, was man eigentlich ja am Ende der Fahrt gibt. Wir warteten im Auto und spekulierten, ob eine Zugfahrt vielleicht besser gewesen wäre.
Als die Fahrt weiter ging, drehte sich der Langhaarige gefühlte 50 Mal unvermittelt um und schmetterte uns aggressiv und lautstark seltsame Fragen zum Thema Bier, Kiffen und Karneval entgegen. Diverse andere Äußerungen, die der Langhaarige und der Ringelpullovermann von sich gaben, zielten auch nur darauf ab, uns zu beleidigen und auszugrenzen. Das trug nicht unbedingt zum Wohlbefinden bei. Auch nicht das Gerede über irgendwelche strippenden Frauen mit unschönen Brüsten, Handyvideos von ebendiesen Frauen, Besäufnissen, Schimmel, Brüsten, Push-Up-BHs und damit verbundene Enttäuschungen, zerbrochenen Flaschen, Brüsten und Erfahrungen mit der Polizei. Das ganze untermalt mit Gerülpse und in unregelmäßigen Abständen aufsteigenden, ekelerregenden Gerüchen.
Irgendwann waren der Mitreisende und ich so eingeschüchtert, dass ich mich nicht einmal beim Thema “Die Musik von Duffy ist ja mal geil” traute, das Gegenteil zu behaupten und er sich schlafend stellte, als die Aufforderung kam, die Hinterscheibe während der Fahrt mit dem Schwamm abzuwischen.

Trotzdem ist ja alles gut verlaufen und ich kann jetzt ins Bett gehen und endlich weiter Die Abschaffung der Arten lesen.

Internationaler Tag des Lächelns / Bock auf Disko!

Februar 1st, 2009

Heute ist Internationaler Tag des Lächelns. Es ist Sonntag, ich muss ernsthaft im Wörterbuch nachschlagen ob dieser Wochentag, der mitunter zu den schlimmsten gehört, mit einem oder zwei n geschrieben wird, ich habe mehr als 12 Stunden mit Träume, die immer blöder wurden, im Bett verbracht und verlebe sonst meine Zeit damit, mich mit paranoidem Gedankengut zu vergiften, oder ärgere mich, dass ich Universitäres (Susan Sontag-Referat!) vernachlässige. Also: Zum Lächeln gibt’s hier gerade nichts.
Das letzte mal Lächeln war Freitag. Auf dem Susanne Blech-Konzert. Maßlos unterschätzte Band, die dazu führen kann, dass unter den Zuschauern die Diskussion entfacht wird, ob denn nun Strumpfmasken oder Gasmasken das schönere Accessoire sind. Susanne Blechs Sänger trug eine Strumpfmaske, weißes Hemd und schwarze Krawatte und wälzte sich immer wieder singend vor dem Publikum auf dem Boden herum. Sehr schön war auch die Idee, Federn durch den Raum zu werfen bis bei allen Anwesenden die Atemwege und Frisuren mit Federn tapeziert waren. Super Konzert jedenfalls!

Ich glaube, ich verziehe mich wieder ins Bett und gucke ein paar Horrorfilme oder lese Thomas Bernhard. Das wird die Stimmung heben.