sickgirl

Das war 2008

Januar 4th, 2009

[current music: Morrissey - I have forgiven jesus]

Der obligatorische Jahresrückblick darf natürlich nicht fehlen, daher kurz etwas zu 2008:
Die ersten fünf Monate habe ich in Oslo verbracht. Und ich träume noch heute manchmal davon, wie ich dort durch Schnee laufe, wie ich dorthin reise, wie ich einfach da bin. Seit ich wieder hier bin, mag ich keine Fotos mehr von diesem Ort anschauen. Und die Musik macht mich oft traurig, aber ich höre sie trotzdem. Ich weiß nicht, aber wenn man sich in eine Stadt verlieben kann, dann hab ich das wohl.
Mittlerweile bin ich hier wieder mehr als nur physisch angekommen. Ich bestelle nicht mehr ausversehen Bier in Lokalen, indem ich en øl rufe, ich sage nicht mehr unnskyld statt tschuldigung, wenn ich wen anrempele, ich bin nicht mehr verwirrt, wenn alle deutsch reden und überhaupt habe ich mich mit dem schlechten Wetter, den wenigen guten Konzerten und dem Alltag hier ganz gut abgefunden.
2008 gab es einige Konzerte, bei denen ich mit entrücktem Lächeln vor der Bühne stand: Das schönste Konzert war in jedem Fall Silverstein in Oslo. Ansonsten gab es noch Geoff Berner in Oslo, Lukestar in Frankfurt sowie Horse The Band und Egotronic in Marburg.
2008 war schon in Ordnung. Ich bin nur selten verzweifelt und war kurz davor, mich selbst einzuweisen. Die schlimmsten Ereignisse waren wohl die Abreise aus Norwegen, das Einleben hier, die Exkursion nach Wien, der Zusammenbau des Waschbeckenunterschrankes, das Lesen von Niklas Luhmanns Liebe als Passion, die Steißbeinprellung (von der ich noch heute etwas habe) und die Suche nach einer WG, die sich nicht dagegen sträubt, mich aufzunehmen.
Es hat sich einiges geändert. Ich habe den Britpop neu entdeckt, ich bin in der Lage, mit Menschen mehrere Tage zu verbringen ohne durchzudrehen, ich rede ein bisschen mehr, rauche weniger bis gar nicht und kann ganz lange im Bett rumliegen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Einiges ist wie immer. Ich benehme mich unmöglich sobald Alkohol ins Spiel kommt, mache mich bei Professoren unbeliebt, lese viel zu wenig als Germanistikstudent, spiele zu viel Tetris und Spider Solitär (Ja, es gibt Menschen, die so etwas spielen.) und ich bin immer noch gut darin, Räumlichkeiten in extrem kurzer Zeit so herzurichten, dass es ausschaut, als wäre eine Bombe eingeschlagen.
Und der schönste Satz des Jahres mit den besten Konsequenzen: Welchen Tetris-Stein magst du eigentlich am liebsten?

Eigentlich war 2008 sehr schön.

16 Responses to “Das war 2008”

  1. peryton Says:

    obwohl es auch beruflich ganz gegen meine art ist – denn ich zerschlage gern das allzu harmonische, wenn’s gar zu himmlisch anklingt -, freue ich mich gründlich über deinen wohlgefälligen jahresrückblick, nehme das g’schmäckle von spiessbürgerlicher zufriedenheit als positives zeichen deines erwachsenwerdens (jaja, doreen, auch dich erwischt es mal …), wünsche dir aus der höllentiefe meines herzens das allerliebste und freue mich (weiterhin), in dir eine verrückte freundin kennengelernt zu haben, deren dramatische episoden mir ein unregelmässig-tägliches leseleckerli geworden sind

    chapeau, madame!
    peryton

  2. Der Stein der Wahl « HELLâ„¢ Says:

    [...] …lese ich und denke mir, dass ich den L-förmigen schon immer am sympathischten fand. [...]

  3. Zwodoppelvier Says:

    Hier ein kleines Vorbereitungquiz
    für die nächste Suche nach einer WG.
    (leider etwas Jungs-lastig)

  4. Michi Says:

    Mhm, der wahrscheinlich schönste Jahresrückblick, den ich bislang so gelesen habe. Du klingst zufrieden, und das ist mit das Beste, was man sich für sich selbst wünschen kann. Ich ziehe für die Rauchentwöhnung meinen imaginären Hut, und hoffe auf zahlreiche weitere Unterschrankmontagen oder Spinnenjagden im neuen Jahr.

  5. Flash Says:

    Wie interpretiert man den das mit desaströs negativer Ausstrahlung überzeichnete Konterfei in bezug auf den recht zufriedenen Text?

    Villeicht aka Merkel: “2009 wird ein Jahr sehr schlechter Nachrichten”? :)

    Bitte weiter erfolgreich künstlerische Fotos und Texte machen. War immer sehr schön.

  6. Zorro Says:

    Zu Deinem Geburtstag Dir alles Liebe und Gute.

  7. Nothingman Says:

    Wieso “eigentlich” eigentlich? Heißt “eigentlich” vielleicht: Das Jahr hatte eigentlich alle Voraussetzungen ein gutes Jahr zu werden, aber aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen war es eine ähnliche Katastrophe wie Prag?

    Etwas irritiert, aber dennoch optimistisch. Ein wenig.

    Nothingman

  8. Mario Says:

    Seit ewigkeiten schaue ich hier mal wieder rein. Der Grund: Du bist in meiner icq Liste, ich weiss nicht mehr warum. Egal, dein Bild beeindruckt mich mal wieder und ich würde mein Jahr 2008 auch gerne mal so aufgeräumt auf den Punkt bringen können.

  9. O. Says:

    Vielleicht heisst “eigentlich” einfach, dass das Jahr 2008 trotz mancher Makel überwiegend ein gutes Jahr war. Jedes Jahr birgt eben auch unschöne Momente.

  10. Nothingman Says:

    Vielleicht. Vielleicht werden wir es aber nie so genau erfahren.

  11. O. Says:

    …das macht mich fertig ;o)

  12. Square Says:

    Beispiel eines wohl geordneten Tagesablaufes,
    mit passender Stimme perfekt kommentiert.

  13. Anoblog Says:

    Viva la Bloguloción
    und ein frohes neues Jahr.

  14. Dude Says:

    Glückwunsch zu dem Konzert von Geoff Berner, ich habe ihn leider bisher nur auf Platte kennen lernen dürfen, ein großartiger Typ mit toller Musik.

  15. Unrat Says:

    Ikonografie – Deutung von Motiven in Werken der Bildenden Kunst – Ursprünglich klassische Porträtkunde der Antike :-)
    Auch dieses Foto ist natürlich ein ikonografisch höchst interessantes Gemälde.

  16. schusch Says:

    Hallo,

    ich vermise Deine Einträge. Gibts Dich noch?

    Gehts Dir gut?

    Hoffe, es ist so. Du musst nicht unbedingt bloggen. Keiner muss das.

    Just like to know. Just concerned.

    Grüße
    schusch

Leave a Reply