sickgirl

Twilight. Bis(s) zum Morgengrauen

Januar 23rd, 2009

[current music: As Cities Burn - empire]

Dass Twilight von Stephenie Meyer ein Bestseller geworden ist, verstehe ich genauso wenig, wie die Lobeshymnen auf Prag.
Worum es geht:
Erzählt wird die Geschichte der 17-jährigen Isabella Swan und des Vampirjungen Edward Cullen. Bei Isabella, die von allen nur Bella genannt werden möchte, handelt es sich um einen nörgelnden, verwöhnten, zickigen Teenager, der sich ständig über das Wetter beschwert.
Nachdem Bella zu ihrem Vater gezogen ist, lernt sie Edward, den griechischen Gott, die Adonis-Statue, kennen. Natürlich liegen Bella Swan (Achtung Wortspiel!) sämtliche Männer zu Füßen; so auch Edward, der ein echter Frauenschwarm ist.
Allmählich entdecken Bella und Edward, dem es zuerst nur nach ihrem Blut dürstet, ihre Liebe füreinander. Trotz seiner Warnungen, denn er fürchtet, er könne in einem Anfall von Blutrausch über sie herfallen, kann sie nicht von ihm lassen. Stattdessen lässt sie verlauten, und das ist wohl der tiefgründigste Satz des Hörbuches: Es ist mir egal, was du bist.
Lesekunst und Spannungsfaktor:
Ulrike Grote liest mit übertrieben verstellter Stimme, wie so ein Teenager-Alltag aussieht, was im Biologie-Unterricht behandelt wird (Da wird einem nochmal die gesamte Mitose mit Telophase, Anaphase usw. vorgebetet!), wer sich welches Ballkleid kauft und wie dieses aussieht. Überhaupt passiert in sechs von acht Hörbuchstunden rein gar nichts, außer dass Bella etwas über die Eigenschaften von Blutsaugern lernt, mit der Vampirfamilie Baseball spielt, pausenlos von Edward mit dem schiefen Lächeln und der unerträglichen Schönheit schwärmt und gefühlte 20 Männer abwehren muss, die alle natürlich nur mit ihr zum Abschlussball gehen wollen.
Womöglich hat Bella ihrer grenzenlosen Attraktivität auch zu verdanken, dass sie schließlich von drei fremden, als Rucksacktouristen verkleideten Vampiren verfolgt und festgehalten wird. Das soll dann wohl der Höhepunkt der Geschichte sein: ein Geiseldrama.
Die Verfolgungsjagd sowie der Kampf der Vampir-Clans um Bella sind auch langweilig. Das wird nochmal schön durch Ulrike Grotes Vorlesekunst unterstrichen, die genauso dynamisch ist, als würde sie davon erzählen, dass sich jemand Marmelade aufs Brot schmiert. Hinzu kommt noch ihr Talent, sämtliche Sätze falsch zu intonieren. Im Übrigen hätte man dem Hörer ganz leicht noch einmal mindestens (!) eine Stunde ersparen können, wenn die Sprecherin nicht nach jedem dritten Wort eine zweisekündige Pause einlegen würde.
Fazit:
Ein schönes Beispiel dafür, wie schlecht Hörbücher doch sein können. Jetzt will ich nicht mal mehr den Film schauen.

Die Goldene Stadt

Januar 21st, 2009

[current music: Lapko - young desire]

Ich dachte einmal, dass egal, wo man mich aussetzt, wohin ich auch fahre, ich würde mich überall einleben, mich mit allem arrangieren, alles irgendwie mehr oder weniger großartig finden. So war es zumindest bisher. In Prag aber war es anders. Selten habe ich die Abreise aus einem Urlaub so herbei gesehnt.
Prag ist eine Stadt, in der die Hälfte aller Menschen Pelze tragen, und in der U-Bahn zieht es so sehr, dass man glaubt, wegzufliegen und am nächsten Tag mit Hals- und Rückenschmerzen aufwacht.
Die Rolltreppen fahren so schnell, dass man bei einem plötzlichen Notstopp der Treppe, zwei Meter weit fliegt.
In Prag hat man keinen Musikgeschmack. Heute noch laufen die 80er- und 90er-Jahre-Hits auf jeder Party und in jeder Kneipe. Madonnas Like a virgin habe ich an fünf Tagen vier Mal gehört. In sogenannten Rockclubs spielen nur Coverbands. Musikgruppen wie Deep Purple, Led Zeppelin und Guns N’ Roses werden dort imitiert und die Prager Jugend kann sich vor Begeisterung kaum halten. Ansonsten tanzen gestandene Männer engagiert zu Macarena, DJ Bobo und MC Hammer und alle brechen in Gejubel aus, wenn aus den Boxen Modern Talking, Michael Jackson oder die Spice Girls dröhnen. Tanzende lieben es außerdem, ihre Gläser und Flaschen auf die Tanzfläche zu schmeißen, denn Pfand gibt es keinen.
In Prag lassen sich die öffentlichen Toiletten selten verschließen und meistens sind sie ziemlich dreckig. Selbst am Flughafen. Und immer, wenn man etwas kaufen will, wird man wie ein potenzieller Trickdieb behandelt.
Das Teewasser ist in Prag auch ohne Teebeutel schon braun, die Putzfrauen putzen nicht wirklich, der Hotelbedienstete reißt einem beim Essen noch den Frühstücksteller weg und das was einem beim Frühstück als Kaffee angeboten wird, ist, glaube ich, kein Kaffee.
Nach schon drei Tagen war uns eigentlich klar, dass zwei Tage Urlaub auch gereicht hätten. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten haben wir uns recht schnell angeschaut, und dann wussten wir nicht mehr, wohin mit der Zeit. Es macht ja auch keinen Spaß bei -12°C oder kälter die Gegend zu erkunden. Im Frühling wäre es sicher angenehmer gewesen; auch wenn das nichts an den musikalischen, hygienischen und diversen anderen Missständen geändert hätte. Ich würde ja schon gerne verstehen, weshalb alle so begeistert sind von der Goldenen Stadt.

Das war 2008

Januar 4th, 2009

[current music: Morrissey - I have forgiven jesus]

Der obligatorische Jahresrückblick darf natürlich nicht fehlen, daher kurz etwas zu 2008:
Die ersten fünf Monate habe ich in Oslo verbracht. Und ich träume noch heute manchmal davon, wie ich dort durch Schnee laufe, wie ich dorthin reise, wie ich einfach da bin. Seit ich wieder hier bin, mag ich keine Fotos mehr von diesem Ort anschauen. Und die Musik macht mich oft traurig, aber ich höre sie trotzdem. Ich weiß nicht, aber wenn man sich in eine Stadt verlieben kann, dann hab ich das wohl.
Mittlerweile bin ich hier wieder mehr als nur physisch angekommen. Ich bestelle nicht mehr ausversehen Bier in Lokalen, indem ich en øl rufe, ich sage nicht mehr unnskyld statt tschuldigung, wenn ich wen anrempele, ich bin nicht mehr verwirrt, wenn alle deutsch reden und überhaupt habe ich mich mit dem schlechten Wetter, den wenigen guten Konzerten und dem Alltag hier ganz gut abgefunden.
2008 gab es einige Konzerte, bei denen ich mit entrücktem Lächeln vor der Bühne stand: Das schönste Konzert war in jedem Fall Silverstein in Oslo. Ansonsten gab es noch Geoff Berner in Oslo, Lukestar in Frankfurt sowie Horse The Band und Egotronic in Marburg.
2008 war schon in Ordnung. Ich bin nur selten verzweifelt und war kurz davor, mich selbst einzuweisen. Die schlimmsten Ereignisse waren wohl die Abreise aus Norwegen, das Einleben hier, die Exkursion nach Wien, der Zusammenbau des Waschbeckenunterschrankes, das Lesen von Niklas Luhmanns Liebe als Passion, die Steißbeinprellung (von der ich noch heute etwas habe) und die Suche nach einer WG, die sich nicht dagegen sträubt, mich aufzunehmen.
Es hat sich einiges geändert. Ich habe den Britpop neu entdeckt, ich bin in der Lage, mit Menschen mehrere Tage zu verbringen ohne durchzudrehen, ich rede ein bisschen mehr, rauche weniger bis gar nicht und kann ganz lange im Bett rumliegen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Einiges ist wie immer. Ich benehme mich unmöglich sobald Alkohol ins Spiel kommt, mache mich bei Professoren unbeliebt, lese viel zu wenig als Germanistikstudent, spiele zu viel Tetris und Spider Solitär (Ja, es gibt Menschen, die so etwas spielen.) und ich bin immer noch gut darin, Räumlichkeiten in extrem kurzer Zeit so herzurichten, dass es ausschaut, als wäre eine Bombe eingeschlagen.
Und der schönste Satz des Jahres mit den besten Konsequenzen: Welchen Tetris-Stein magst du eigentlich am liebsten?

Eigentlich war 2008 sehr schön.