En drøm!
Dezember 14th, 2008[current music: Lapko - dead disco]
Ich blogge ja schon eher selten über Musik. Außer ich habe irgendwelche herausragenden Konzerte besucht oder mich im Zusammenhang mit Musik schlecht benommen. So wie gestern. Da haben wir im Karaoke-Fieber einige Hits von Pulp, Oasis und den Cranberries verhunzt, aber das soll hier nicht das Thema sein.
Als ich eben nach Ewigkeiten mal wieder meinen FeedReader gestartet habe, musste ich lesen, dass Graham Coxon wieder da ist, dass Blur sich wieder vereint haben, dass sie demnächst auf Tour gehen! Die Band meiner Jugend! Ein Traum! Die Band, von der ich jeden Zeitungsschnipsel gesammelt habe, der ich Fanbriefe geschrieben habe, wegen der ich schon im zarten Alter von 12 Jahren bis nach Köln fahren wollte, um sie live zu sehen. (Meine Eltern durchkreuzten diese Pläne natürlich. Und ich weiß noch, wie lange ich auf der Deutschland-Karte nach Cologne gesucht habe. Und dann sowas.) Blur war die Band, die die Kelly Family, Michael Jackson und Die Toten Hosen aus meinen persönlichen Charts katapultierte. Und natürlich fand ich Blur auch immer viel besser als Oasis.
Für das nächste Jahr wünsche ich mir also, Blur live zu sehen. Und eine Spielekonsole, auf der ich Karaoke singen kann.
fool on the hill
Dezember 8th, 2008[current music: Foals - cassius]
Sämtliche Menschen auf der Straße starren mich an, nur weil ich aussehe, als wäre ich kürzlich in einer Prügelei verwickelt gewesen. Dabei habe ich Samstag Nacht nur vergessen, mich abzustützen und landete mit dem Gesicht zuerst auf dem Pflaster. Das mit dem Abstützen vergesse ich scheinbar häufiger, und dabei dachte ich immer, das sei ein natürlicher Reflex des Körpers. Die Steißbeinprellung – von der ich übrigens heute noch was habe – vor zwei Monaten ist auch so zu erklären, und die Gehirnerschütterung vom letzten Dezember ja sowieso.
Aber eigentlich mache ich mir immer noch Gedanken über meinen geistigen Totalausfall letzte Woche. Nachdem in zwei Seminar-Veranstaltungen während des Gruppenreferats genau null, an die Seminarrunde gerichtete Wörter über meine Lippen gekommen sind, kam der Professor nach der Veranstaltung zu mir, um zu fragen, was denn los sei. Anstatt darauf herumzureiten, dass es sehr wohl noch mindestens eine andere Person gegeben hat, die auch nichts gesagt hat, stammelte ich in aller Demut und mit hochrotem Kopf irgendwas zurecht, das etwa so klang:
Ich so [Vielleicht zu gestammelt und leise.]:Äh. Ja. Tschuldigung. Weiß auch nicht. Beim nächsten Referat sage ich mehr. Versprochen. Wirklich.
Er so: Wie bitte?
Ich so [Immer noch zu leise.]: Beim nächsten Referat sage ich mehr.
Er so: Was haben Sie gesagt?
Ich so: (In Gedanken: Jetzt denkt er eh schon, dass ich gestört bin.) Beim nächsten Referat werde ich mehr sagen!
Er so [Völlig unbeeindruckt.]: Hm. Ich frage ja nur, weil mir Ihre Ausarbeitungen so gut gefallen.
Ich so [Wahrscheinlich mit aufgerissenen Augen und endlich lauter Stimme.]: Dass, was wir jede Stunde einreichen müssen?! Das kann nicht sein. Sie müssen mich verwechseln.
Er so: Sie sind doch Frau F., oder?
Ich so: Ja, schon. Aber meine Ausarbeitungen sind schlecht. Ich schreib da nur was ab. Das kann nicht gut sein.
Er so: Ich bin mir sehr sicher, dass ich Sie meine.
Ich so: Nein, ich glaube nicht.
Er so [In einem Stapel Papier wühlend.]: Na gut, ich werde das nochmal nachprüfen. Aber ich bin mir sicher.
Ich so [Kleinlaut und im Gehen begriffen. Immer noch roter Kopf.]: Danke schön.
Er so: Nicht so zaghaft, nicht so zaghaft, Frau F.
Das war so ungefähr der peinlichste Moment dieses Semesters. Ich muss verrückt sein. Wieso habe ich nicht einfach Danke gesagt? Dann wäre alles gut. Stattdessen unterstelle ich dem Professor unterschwellig Demenz. Ganz Toll. Ich überlege seit diesem Vorfall, wie ich das wieder gut machen kann bzw. welche Ausrede ich bringen kann, damit es so aussieht, als wäre meine Reaktion völlig normal gewesen. Meine bisherigen Ideen, die ich aber alle schon wieder verworfen habe: a) Ich war überrumpelt und kann mit Lob nicht umgehen. b) Ich bin schizophren. Manchmal denke ich, ich bin eine Ente. c) Ich habe vor dem Seminar Crack geraucht. d) Sie haben mit meiner irren Zwillingsschwester und nicht mit mir gesprochen.
Mittlerweile bin ich so weit, dass ich einfach auf meine Mutter höre, die meinte, ich solle dazu am Besten gar nichts mehr sagen und die Sache unter den Teppich kehren. Wahrscheinlich hat sie Recht.
Busfahren morgens um Acht
Dezember 3rd, 2008[current music: Lapko - miami vicer]
Busfahren vor acht Uhr ist das wohl Anstrengendste und Dramatischste, was man in Marburg machen kann. Das ist sogar nervenaufreibender als beinahe von einem Auto bei Schneesturm angefahren zu werden, obwohl man sich auf dem Gehweg befindet.
Das Schlimme an den morgendlichen Busfahrten ist nicht einmal das Gedrängele und Geschubse oder dass man ewig warten muss, bis man überhaupt in einen Bus hineinpasst. Meist sind es die Gespräche, denen man zwangsläufig zuhören muss, die so aufregend sind.
So erzählt der eine Junge, dass am Montag – nach einem Party-Wochenende – plötzlich lauter Mädels vor ihm standen, und eine jede behauptete, seine Freundin zu sein. Oder die drei kleinen Jungs heute, von denen einer 20 Euro dabei hatte. Sie überlegten intensiv, was man damit machen könnte. Und zuerst war das ja auch ganz niedlich: in’s 3D-Kino gehen, Eis essen, H&M aufsuchen. Aber dann kam auch schon die zweifelhafte Idee auf, man könne damit eventuell eine Pumpgun kaufen und die Fußgänger beschießen. Beunruhigend.
Heute Morgen wurde es auch interessant, als eine Frau einem Mann mit Gehstock helfen wollte, in den Bus einzusteigen, während der Busfahrer aber schon losfahren wollte: Frau hüpfte in der Bustür vor und zurück, die immer wieder auf und zu ging. Mann mit Gehstock kam so schnell er konnte zur Bustür, und das war nicht wirklich schnell. Busfahrer brüllte rum, sie solle sich sofort aus der Tür begeben, da sie sonst ja laufen könne. Frau schrie zurück: “Hier ist ein Behinderter! Der will auch noch mit!” Busfahrer brüllte weiter aufgeregt herum. Irgendwann gab er nach und ließ die Tür einfach auf, um den Mann einsteigen zu lassen. Die Frau scheuchte noch einige Schulkinder von ihren Plätzen auf, damit der Mann sich hinsetzen konnte, und ich lauschte weiter den Jungs und ihren Planungen zum Einsatz der Pumpgun in Marburger Fußgängerzonen.
oh hello ghost
Dezember 2nd, 2008[current music: Silverstein - bleeds no more]
Ich habe gerade das Gefühl, alles geht drunter und drüber.
* Mein Zimmer sieht seit Wochen aus, als würde darin ein alkoholabhängiger Junkie hausen, der nicht weiß, wo die Flaschencontainer stehen und wie man eine Waschmaschine benutzt. (Da fällt mir auf, ich weiß wirklich nicht, wo sich die nächsten Flaschencontainer befinden.)
* Ständig muss ich in der Uni irgendwelche Bescheinigungen abholen oder einreichen und weiß nie genau, was und wo. Überhaupt finde ich die Hälfte gar nicht mehr.
* Im Reisebüro äußert der Verkäufer schon unterschwellig Aggressionen, weil das einzige, was wir von unserer Reise wissen, ist, dass sie nach Prag gehen soll. Um einer Katastrophe in Prag vorzubeugen, habe ich nun schon mal einen Reiseführer mit Stadtplan bestellt. Den Urlaub bräuchte ich eigentlich jetzt. Sofort.
* Ich kann mir momentan nicht einmal Fotos anschauen – von Orten, die ich lieber mag als jenen hier -, ohne anschließend den restlichen Nachmittag und Abend im Bett liegend zu verkümmern.
* Schlafen ist auch schwierig. Und wenn ich mal schlafe, träume ich von ertrinkenden Babys, Abgründen, in die ich falle, oder giftigen Tieren, die mich verfolgen.





