sickgirl

Raven gegen Deutschland

November 30th, 2008

[current music: Gogol Bordello - ultimate]

Gestern nettes Gespräch auf dem Egotronic-Konzert im Cafe Trauma:
Er so: Hey! Haste Teilchen?!
Ich so: Nee, sorry! (Und in Gedanken: Meint der jetzt Ecstasy oder sowas oder doch Quarkbällchen? Eigentlich egal. Wenn er von mir denkt, ich hab Drogen in meinen Taschen wirft das ein ähnlich seltsames Licht auf mich, als würd’ er denken, ich trage irgendwelches Gebäck mit mir herum. Unweigerlich musste ich mir vorstellen, wie ich mit einem Bauchladen voll süßem Gebäck durch das Cafe Trauma tanze.)
Er so [Zehn Minuten später]: Haste bunte Pillen?
Ich so (verwirrt, weil der gleiche Typ): Nee, immer noch nicht. (In Gedanken: Naja, ist ja doch ganz gut, dass er nicht auf Gebäck aus ist.)
[Zwei Minuten später. Es klopft schon wieder jemand an meine Schulter. Langsam bin ich genervt.]
Er so: Trotzdem Danke!

Sehe ich aus wie ein Dealer? Das ist unmöglich. Ich muss selbst, wenn ich Bier kaufe, meinen Ausweis überall vorzeigen, um dann in das entgeisterte Gesicht der Verkäuferin blicken zu dürfen, die nicht glauben kann, dass ich schon so alt bin.
Ja, aber was erwarte ich denn auf Konzerte, wo Menschen zu Songs mit den Titeln Pilze oder Raven gegen Deutschland abgehen? Egotronic sind live fantastisch. Besser fühlen hätte man sich beim Konzert nur, wenn im Raum eine Temperatur unter 40 Grad geherrscht und man Sonnenbrille und Trillerpfeife dabei gehabt hätte.
Ein bisschen enttäuscht waren wir dann aber schon, als Torsun auf der Tanzfläche nicht mehr aufgetaucht ist.

Mein persönliches Guantanamo

November 21st, 2008

[current music: Flyleaf - cassie]

Während des einzigen Bauch-Beine-Po-Kurses, den ich je besuchte, stieß sie – auf dem Boden liegend und gequält schauend – einmal hervor: “Das hier ist mein persönliches Guantanamo!” Mein persönliches Guantanamo habe ich jetzt auch gefunden.
Eigentlich fand ich Äußerungen zum Thema, was Frauen alles schlechter können und Männer besser und umgekehrt, nie besonders sinnig, aber ich musste gerade in den letzten Tagen einsehen, dass sich zumindest in mir das Vorurteil, Frauen seien schlechte Handwerker, bestätigt, denn mein Vorhaben, einen Waschbeckenunterschrank ins Bad zu stellen, schränkte meine Lebensqualität dann doch sehr ein.
Dabei war doch alles so schön gedacht: Ich kaufe einen Schrank, der unter das Waschbecken kann. Da ist doch Platz. Und all die Putzmittel können da hinein und die ganze Wohnung wird super ordentlich aussehen. Und ich nehme auch extra einen Schrank, der noch drei Schubladen hat, dann kann man da noch Cremes und MakeUp und so reintun. Das wird ein Traum!
Im Endeffekt war es dann eher ein Alptraum:

1. Da fehlt doch was
Ich kaufte also einen Schrank im Internet und er kam per Post. Ich packte ihn übermotiviert aus und fing an zu schrauben, leimen und hämmern. Irgendwann allerdings bildete ich mir ein, ein Brett würde fehlen. In Wut und Entsetzen über das fehlende Brett, bat ich den Händler, das Brett sofort nachzusenden. Als es dann einige Tage später eintraf, musste ich erkennen, dass ich so ein Brett schon längst hatte. Ich hatte es mir nur völlig anders vorgestellt. Größer irgendwie. So etwas nennt man wohl Fehlleistung des Gehirns.

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Irvine Welsh: Die Bettgeschichten der Meisterköche

November 16th, 2008

[current music: Rumble in Rhodos - harpoon etiquette]

Worum es geht:
Danny Skinner, Mitte zwanzig, ist Restaurantprüfer, alkoholabhängig, drogensüchtig und auf der Suche nach seinem Vater, von dem er lediglich weiß, dass dieser während der Punk-Ära Koch in Edinburgh war. Zusätzlich treibt ihn sein neuer strebsamer Arbeitskollege Brian Kibby mit seiner Mittelmäßigkeit in den Wahnsinn. Dannys Vater-Suche führt ihn von Edinburgh nach San Francisco und wieder zurück, und immer steht er auf eigentümliche Weise mit Brian Kibby in Verbindung.

Worum es eigentlich geht:
Um die Suche nach Identität, nach Liebe.

Was ich noch zu sagen hätte:
Ganz fantastisches, amüsantes und spannendes Buch. Vor allem die Sache zwischen Danny Skinner und Brian Kibby entwickelt sich zu einem echten Thriller. Wie immer bei Irvine Welsh sind die Hauptcharaktere trotz eigentlich fragwürdigem Charakter, ihren Drogenabhängigkeiten und ihrer vulgären Ausdrucksweise sehr sympathisch und liebenswürdig. Leider gibt es in Die Bettgeschichten der Meisterköche dieses Mal kaum – wie gewohnt – Querverweise zu anderen Welsh-Büchern.
Interessant und ein bisschen neu ist an diesem Werk, dass es ins Fiktive abdriftet. Gut, auch in Drecksau gab es einen sprechenden Bandwurm, aber hier ist es noch anders und irgendwie nicht so einfach; es ist eher parapsychologisch. Danny Skinner kann sich endlich seinen größten Wunsch (neben dem, seinen Vater zu finden) erfüllen: Ausschweifend Leben ohne negative Konsequenzen.

Lieblingszitat:
Skinner: krank oder sexy? – du entscheidest.

the shade you hide

November 12th, 2008

[current music: Washington - have you ever]

Ich war gestern nacht so müde, dass mir egal war, dass ich viel zu wenig Milch für die vielen Cornflakes hatte, die noch da waren. Ich schüttete den Rest der Cornflakespackung in eine Schale bis diese überquoll. Anschließend goss ich das bisschen Milch darauf, was noch im Kühlschrank vorhanden war. Viel zu wenig Milch. So kann man das nicht essen. Die Schale inklusive Inhalt steht immer noch auf meinem Schreibtisch.
Ich war so müde, dass mir auch egal war, dass wenn ich mir einen Tee mache, den sowieso nicht trinken kann, weil er viel zu heiß ist. Ich machte trotzdem Tee und vergoss dreiviertel davon gleichmäßig auf Bettdecke und Uni-Unterlagen. Um mir das Elend nicht weiter anschauen zu müssen, nahm ich schnell das Handy aus der Pfütze und löschte das Licht. Heute morgen war alles trocken. Und gewellt und fleckig. Handy geht noch.

Manche Männer sind schon originell. Da wurden wir zwei Mädels gestern abend doch tatsächlich gefragt, ob wir die Band seien und wann wir beginnen zu spielen. Ich weiß nicht, ob der Fragende ein bisschen verwirrt war, die Band nicht kannte, auf dessen Konzert wir gestern waren, oder ob das einfach eine neue Form der Anmache war. Selbst als wir verneinten, als wir sagten, dass wir keine Band sind, fragte er, wann wir mal in Prag spielen und wir sagten: Im Januar. Damit steht’s dann wohl auch fest: Mit dem Reisegutschein geht’s nach Prag. Und ich freue mich.

Und das Lukestar-Konzert war das beste Konzert seit langem.

paws, claws & alarm-clock laws

November 9th, 2008

No Silence

November 9th, 2008

[current music: Burden of a Day - the smile that kils]

Ich so: Also das einzige, was die Lieder gerade unterschieden hat, war die Länge.
Sie so: Ja! Stimmt! Bin ich nicht draufgekommen! Habe die ganze Zeit auf den Wechsel von Grunzen und Schreien geachtet und da versucht, ein Muster rauszulesen.

Nachdem ein Mikroständer von der Bühne fast auf uns gefallen ist, Drumsticks durch den Raum flogen, von der Bühne gespuckt wurde sowie Mikros oder ganze Mikroständer im Kreis geschleudert wurden, haben wir uns überlegt, dass man hier auch Final Destination IV drehen könnte. Der eine bekommt einen Drumstick ins Auge, dem nächsten wickelt sich das Mikrokabel um den Hals bis er erstickt, einer wird vom Mikroständer erschlagen und ein letzter rutscht auf der Spucke aus, die vor der Bühne verteilt liegt.
Die vergangenen zwei Abende habe ich also im Marburger KFZ beim No Silence Festival verbracht. Eigentlich hätte ich zu Hause bleiben sollen und etwas für mein Referat zu Hans Jantzen und der diaphanen Struktur machen sollen, aber die Thematik schafft es wundersamer Weise nicht, mich zu motivieren. Vor allem nicht die Sache mit dem diaphanen Wandaufbau.
Aber hier die Highlights der Abende: Today Forever, Kaishakunin, More Than Ever und Ritual.

Die Entdeckung der Inkommunikabilität*

November 3rd, 2008

[current music: Flyleaf - cassie]

Wie ich gerade in dem Land, in dem die Einheimischen selten SMS, die aus mehr als vier Zeichen bestehen, verschicken, in dem Ausgelassenheit und Redegewandheit nur stattfinden, wenn der Alkohol die völlige Kontrolle über den Körper errungen hat, gelernt habe, kommunikativer zu sein, ist mir wirklich ein Rätsel. Ein Land, in dem es auf Wortgewandtheit so gar nicht anzukommen scheint. Die Rede ist von Norwegen.
Dort erhält man vielsagende Nachrichten wie It’s ok., good night oder how r u. Es kann auch schon mal drei Wochen dauern bis man überhaupt Gefahr läuft, eine Nachricht in seinem E-Mail-Postfach oder auf seinem Handy zu finden. Aber immerhin: Wenn der Schreiberling schon drei Wochen Zeit hatte, dann gibt er sich auch besonders Mühe: great ****,see you in berlin: ) T.
Im Nachhinein frage ich mich nun, ob ich denn wirklich kommunikativer geworden bin oder mir das nur einbilde. Wahrscheinlich bin ich nur von all dem Nichtssagen, dem Nichtmelden, dem Desinteresse geblendet und nichts hat sich geändert.

Derzeit bin ich auf der Suche danach, wie ich meinen gewonnenen Reisegutschein möglichst gut nutzen kann, nachdem ich nun mehr als ein Jahr vor mich hingeschoben habe, überhaupt das Reisebüro aufzusuchen, das den Gutschein verlost hat. Ich kann mich einfach nicht entscheiden, aber das Ablaufdatum mahnt zur Eile. Center Parks-Urlaub in Holland, den ganzen Tag Käse essen und Coffee Shops unsicher machen? In London Clubs auskundschaften und endlich mal auf der Tower Bridge stehen? In Prag Kathedralen besuchen, Panzer fahren und Bier trinken? Oder doch in Riga im Domina Inn übernachten? Ich weiß es nicht.

* Ja, ich bin Luhmann-geschädigt.