Tai Bo und ich
September 23rd, 2008[current music: Pedro the Lion - never leave a job half done]
Da sitzt er wieder, auf eine der Maschinen, die Namen tragen wie Leg Press, Low Row oder Abdominal Crunch. Er, der immer eine Jogginghose trägt und dazu einen nicht sehr atmungsaktiven dicken Wollpulli. Er, dessen Stöhnen durch das ganze Studio hallt, und er ist es auch, der jedesmal dann schielt, wenn er die Arme der Chest Press, an denen Gewichte hängen, vor seinen Augen mit viel Kraft und angespannten Gesichtsmuskeln zusammenführt. Da traut man sich gar nicht richtig hinzuschauen.
In der anderen Ecke posaunt ein junger Mann herum, dass seine beste Freundin jahrelang in ihn verliebt war, und sein Kumpel bestaunt seinen Bi- und Trizeps mit angespanntem Arm im Spiegel. Überhaupt scheinen es die Männer dort zu mögen, sich beim Gewichte stemmen im Spiegel zu betrachten. Und ich mache mir schon Sorgen, wie ich wieder aussehe, wenn ich mich auf dem Laufband im Fenster vor mir spiegele. Vom besagten Laufband bin ich sogar schon fast, beim Versuch es zu verlassen, heruntergefallen. Jedenfalls sah mein Abgang sicher nicht sehr elegant aus.
Aber noch weitaus schlimmer als jedes Gestöhne und jeder nicht gekonnte Abgang, war wohl meine Vorstellung im Tai Bo-Kurs. So ungelenk und gleichgewichtsgestört hätte ich mich nicht einmal selbst eingeschätzt. Es ging gleich schon zu Beginn los als wir einfach nur die Fußspitzen und die Hüfte etwas bewegen sollten. Von einer Seite zur anderen wippen. Da kam ich aus dem Takt. Dann dazu die Arme schwingen. Da kam ich aus dem Takt. Wippen, Arme schwingen, Drehung. Da kam ich aus dem Takt.
Auch die Technomusik, die die grazilen Bewegungen untermalen sollte, half da nichts. Es kam mir vor, als ob ich immer dann nach rechts wippe, wenn alle Anderen nach links wippen. Um in den Takt der Mitsportler zu kommen, hörte ich gefühlte 30 Mal mittendrin auf, damit ich wieder neu beginnen kann – und dieses Mal richtig. Da kam ich auch nur wieder aus dem Takt.
Der Höhepunkt war erreicht, als ich dann unbewusst – so angeregt durch die Musik – begann, mich so zu bewegen, wie ich es fast jeden Mittwoch abend in der Disco tue. Nur eben zu anderer Musik. Zum Glück merkte ich das schnell und konnte diese noch unkoordinierteren Zappeleien unterbinden.
Erst als ich mit Boxhandschuhen auf meinen Partner einschlagen und ihn treten durfte, wurde meine Laune wieder besser. Das war eher was für mich. Da war zum ersten Mal die Angst weg, dass die Vorturnerin und Trainerin mich wegen Nichtkönnen aus dem Kurs verbannt.





