sickgirl

Nasjonaldag i Oslo

Mai 17th, 2008

[current music: Silverstein - call it karma]

Wer hätte das gedacht, Schnee am 17. Mai in Oslo. Am Nationalfeiertag. Selten so viele Flaggen, verschiedene Trachten und Kinder gesehen. Und gefroren.



Vom Winde verweht

Mai 12th, 2008

[current music: Lapko - teacher pain]

Wer sich schon immer gefragt hat, wie Studenten den Pfingstmontag verbringen, kann das im Folgenden nachlesen:
Eigentlich sollte dies ein produktiver Tag werden, ich wollte besonders viel für meine mündliche Norwegischprüfung übermorgen lernen, weil ich in den letzten Tagen etwas nachlässig war. Unter Druck lernt sich’s auch viel besser. Jedenfalls fing alles gut an – bis auf dass ich für meinen Geschmack etwas zu spät aufgestanden bin, mir sämtliche Körperteile – einschließlich der Kopfhaut – wehtun, und das Frühstücks-Croissant ein bisschen lange auf dem Toaster lag.
Ich nahm meine Unterlagen zur Hand, machte mir Gedanken darüber, warum ich eigentlich immer laut lerne und alles vor mich hinsprechen muss, weil das ja schon ganz schön anstrengend ist. So viel reden bin ich nicht gewohnt. Außerdem hat das Ganze den Nachteil, dass ich so einfach nicht in der Öffentlichkeit lernen kann. Jedenfalls kam ich zu dem Schluss, dass die Methode doch ganz gut für mich ist, weil ich weiß, sobald der Redefluss unterbrochen ist, habe ich keine Ahnung vom Thema mehr, ich wurde durch äußere Einflüsse abgelenkt oder meine Gedanken sind ganz woanders. Wenn ich leise lerne, merke ich gar nicht, wenn meine Gedanken abschweifen. Also schon, aber meistens viel zu spät.
Nachdem ich das Problem also durchdacht habe, begann ich eine halbe Stunde zu lernen, ließ dabei scheinbar meinen Blick zufällig zur Zimmerdecke gleiten und alle Motivation war mit einem Schlag verschwunden. Denn an der Decke saß eine Spinne, die ich von da an im Auge behalten musste, auf die sich von nun an alles konzentrierte.
In der Folge trank ich drei Tassen Tee, nahm verschiedene Positionen im Zimmer ein, starrte die Decke an, versuchte zu schlafen, träumte von einer gigantischen Spinne, schreckte auf, schaute einen Film und schmiedete erste Pläne zur Spinnenbeseitigung.
Irgendwelche Aktionen wie Freunde herbeten, Hausmeister holen oder sonstwas verwarf ich schnell; das ist dann ja doch zu albern. Ich entschied mich – und das als Vegetarier, die Spinne mit einem Stock von der Decke zu schubsen, auch wenn ihr dabei Schaden zugefügt werden könnte.
Ich holte einen zwei Meter langen Stiel, fuchtelte damit im Zimmer herum, schlug beinah Lampe und Fenster kaputt bis die Spinne von der Decke fiel und ich den Stock los- und fallenließ, weil ich schnell auf’s Bett klettern musste. Irgendwann entdeckte ich das Tier unbeschadet auf der weißen Gardine. Ich nahm wieder den Stiel zur Hand und beförderte mit diesem die Gardine aus dem Fenster, so dass sie traumhaft im Wind flog, während sich die Spinne daran festklammerte.
Anschließend habe ich etwa zehn Minuten lang mit dem Stock in der Gardine rumgestochert und -geschüttelt, dabei mehrfach die Scheibe getroffen, bis das Tier abgefallen war. Und ich will nicht wissen, was die Leute, die draußen standen, gedacht haben, als sie das sahen.
Und jetzt, jetzt könnte ich eigentlich lernen. Eigentlich.

outside

Mai 10th, 2008

[current music: Rumble In Rhodos - paws, claws & alarm-clock laws]


1, 2

sognsvann

Mai 6th, 2008

[current music: Radiohead - anyone can play guitar]

ti måneder i Norge

Mai 5th, 2008

[current music: HORSE the band - a rusty glove]

Woran merkt man, dass man sich zu lange in Norwegen aufgehalten hat? Genau, wenn man beginnt, allen seinen deutschen Freunden und Familienmitgliedern zu erzählen, dass es hier auch sehr warm ist (Zitat: Bombenwetter in Oslo!). Bis ich gestern zufällig die deutschen Nachrichten gesehen habe, dachte ich auch wirklich, dass es ungefähr gleich warm ist. Aber dass in Deutschland scheinbar mindestens 10 Grad mehr herrschen, davon habe ich nichts geahnt und eingesehen, dass ich mittlerweile eine andere Vorstellung von dem habe, was man Wärme nennt.
Woran merkt man es noch? Wenn man auf norwegisch träumt. Man kann im Traumgeschehen Dialoge auf deutsch einflechten, oder auch auf norwegisch. Ich meine, Alpträume waren es sowieso, aber trotzdem…
Und nochwas? Ja, wenn man auf der Toilette sitzt und auf norwegisch über das unerklärliche Verhalten der russischen Mitbewohnerin flucht, über den Dreck auf dem Fußboden, die 20 leeren Kontaktlinsenpackungen auf dem Waschbeckenrand und die Haare in der Dusche.
Und woran merkt man, dass man langsam paranoid wird? Wenn man die neue Zahnpasta der Mitbewohnerin betrachtet, auf deren Tube steht In zwei Wochen sichtbar weißere Zähne! und dann mit seiner Tube, die man schon seit Wochen hat, vergleicht, auf der steht In vier Wochen sichtbar weißere Zähne!. Und man anschließend denkt: Die macht das mit Absicht, die will mir eins auswischen!

Busfahren in Oslo

Mai 3rd, 2008

[current music: Saetia - one dying wish]

Ach, wer fährt nicht gerne abends eine halbe Stunde Bus für 6,50 Euro, hört sich das lallende Gepöbel von alten Männern mit offenen Rucksäcken und blutenden Nasen an, die dann versehentlich an der falschen Haltestelle aussteigen und ein imaginäres Maschinengewehr aus Wut über ihre eigene Dummheit auf dich, immer noch im Bus sitzend richten.
Gut, dass ich nicht mehr so sensibel bin, oder dass zumindest mit steigendem Alkoholpegel und steigender Frustration meine Sensibilität sinkt.
Und ich bin immer noch dabei, meine innere Harmonie wieder herzustellen – wie der Werther, der gerade (leider) Gegenstand meiner Hausarbeit ist.

Schwanger in Kamerun

Mai 1st, 2008

[current music: Silverstein - defend you]

Ich sollte keine Pausengespräche mehr belauschen. Das macht mich nur noch ratloser und schlafloser. Der Mann aus Kamerun fragte nämlich den Banknachbarn aus Sambia ernsthaft, wie lange dort eine Schwangerschaft dauert. In Kamerun hat es bei seiner Schwester elf Monate gedauert. Die Antwort des Mannes aus Sambia: Dort dauert es nur sechs Monate.
Eigentlich bin ich auch so schon ratlos genug. Diejenigen, denen man helfen möchte, erzählen einem seit zwei Jahren, dass sie es alleine schaffen. Und das glaube ich immer wieder. Und kann nicht schlafen.
Ich verstehe auch nicht, wieso das rumänische Mädchen, dass zwei Stunden zu spät zum Unterricht erscheint, so wütend ist, dass der Mann aus Sambia doch wirklich seinen Platz behalten möchte, auf dem er schon die ganzen ersten zwei Stunden gesessen hat. Kaum verlässt er den Raum, schmeißt sie ihre Tasche auf seine und tut als sei es ihr Platz. Kaum ist sie draußen, setzt er sich natürlich auf seinen Stuhl. Habe selten ein Mädchen so wütend gesehen. So ungerechtfertigt wütend.
Selber verhalte ich mich auch eher merkwürdig. Schaffe es immer wieder, mich selbst zu verwirren, zur Verzweiflung zu treiben. Auch das führt zu schlaflosen Nächten. Muss ja über das Handeln meinerseits nachdenken. Um alles wieder gut zu machen, folgen weitere irrationale Handlungen. Diese überlege ich mir reiflich, während ich im Bett liege.
Und wieso macht diese neben mir sitzende und die Gebrüder Grimm auf norwegisch lesende Chinesin so übertriebene Psst!-Geräusche in meine Richtung, obwohl der Unterricht noch nicht einmal begonnen hat? Tut mir ja leid (nein eigentlich nicht), aber ich musste sie daraufhin leider auslachen und weiter mit dem Banknachbarn reden. Kaum sind drei Minuten vergangen, packt sie übereilt ihr Zeug zusammen – genau in dem Moment als sich der Herr aus Äthiopien neben sie setzt – und begibt sich auf die gegenüberliegende Seite des Raumes. Was der Grund für ihre Flucht war, weiß ich auch nicht. (Vielleicht König Drosselbart? Zumindest las sie den gerade.) Und ich hoffe ein bisschen, dass sie den Zeitpunkt nur etwas unüberlegt gewählt hat.
Aber ich mag die Chinesin sowieso nicht. Unentwegt redet sie von Geld. Wenn wir über Kunst, über Bilder, über Malerei reden, fragt sie nur, was so ein Bild wert ist. Wenn wir unsere Wünsche äußern dürfen, was wir mit ganz viel Geld machen würden, dann will sie in Blumenaktien investieren. Blumen sind teuer und beliebt in China (wenn ich die Erklärung richtig verstanden habe). Und ihre Semesteraufgabe schreibt sie über Geld, das China für die Olympischen Spiele ausgibt.
Also ich weiß nicht. Das ist alles so seltsam. Ich glaube, ich verstehe die Welt nicht mehr.
Das ich nichts verstehe, dachte ich gestern auch, als mich dieser Norweger unentwegt vollquatschte, während ich versuchte, einer Band in der ersten Reihe stehend zu lauschen und die Uhr im Auge zu behalten. Ich habe kein Wort verstanden – nur das Thema seines Redeschwalls (er philosophierte über die Musik der Band) – und habe es nicht für nötig gehalten, ihm mitzuteilen, dass er entweder langsamer und lauter oder auf englisch oder deutsch sprechen soll. Einfach nur nicken und lächeln, das reicht den meisten Leuten.
Ja, slik er det. Og det var det.