sickgirl

It’s easier when it doesn’t rain…

Oktober 28th, 2007

[current music: Marilyn Manson - heart-shaped glasses (when the heart guides the hand)]


supertheory of supereverything

Oktober 28th, 2007

[current music: Gogol Bordello - wonderlust king]

Schon komisch. Da liegt man im Bett, alles dunkel, drinnen wie draußen, schaut auf die Uhr: sechs. Wenn man genug von Nachdenken und Schlaflosigkeit hat, geht man an den PC, betrachtet die Uhrzeit: sechs.
Das war jetzt also die Nacht, in der man eine Stunde länger schlafen kann. Und träumen. Träumen, dass hunderte von kleinen Spinnen an einem hochkrabbeln, die Haut brennt und juckt. Träumen, wie sie in der Küche steht. Sie, die dort lange nicht mehr stand. Alles ist als wäre sie nie weg gewesen. Sie ist ganz normal, ganz nah. Näher als am Tage.

Der Caretaker hat mich angeschrien. Und mich hat es nicht einmal gestört, dabei bin ich aggressiven Menschen sehr empfindlich gegenüber. Aber er hat geschrien und es hat mir keine Angst gemacht. Hätte ich es nicht ein bisschen amüsant gefunden, wäre es mir wahrscheinlich völlig egal gewesen, dass er wie ein Irrer gegen meine Tür hämmert, weil er wusste, dass ich daheim bin. Da ich beim Essen war, ließ ich ihn eine Weile hämmern; auch um die Stabilität der Tür auf die Probe zu stellen. Außerdem hatte er ja sowieso Schlüssel zu jedem Zimmer. Er hätte gar nicht so einen Terror veranstalten müssen. Und Schuld war ich mir auch keiner bewusst.
Irgendwann machte ich dann meine Musik leiser, schob die gebratenen Pilze zur Seite und ging zur Tür, die von seinem Klopfen zitterte. Ich öffnete und er schrie sogleich etwas, das ich nicht verstand, und zeigte auf diesen riesigen, noch verpackten und seit Monaten im Flur stehenden Farbkopierer (wahrscheinlich Hehlerware). Er brüllte und ich reagierte nicht, weil ich ihm bei unserem ersten Aufeinandertreffen, zwanzig Minuten zuvor, in der Küche noch gesagt habe, dass er bitte Englisch sprechen soll. Gemacht hat er das nicht; er hat einfach gar nichts mehr gesagt – bis er den Kopierer gesehen hat.
Nachdem er mit dem Geschrei fertig und außer Atem war, fasste ich mich so kurz es ging, um keine weitere Verwirrung zu stiften: not my. Ich zeigte auf den Gegenstand der Erregung. Da er sein Gebrüll ziemlich oft wiederholte, verstand auch ich, was er sagte. Ich zeigte auf die Tür eines Mitbewohners. Dieser kam dann glücklicherweise wie durch Geisterhand aus seinem Zimmer und schaute geschockt. Der Caretaker schrie weiter: Må gå nå! Nå! Nå! Nå! Nå! Strengt forbudt! Må gå! Der Mitbewohner schaute immer noch entgeistert und ich fragte mich, wie der Kopierer den Fluchtweg verstellen soll. Ich meine, wer so breit ist, dass er an dem Kopierer nicht vorbeikommt und somit nicht zur Fluchttür gelangt, der passt sowieso nicht durch diese Tür. Das habe ich dem Caretaker freilich nicht gesagt, denn die Situation war dangerous, wie mein Mitbewohner sie womöglich korrekt einschätzte, nachdem der Caretaker unseren Flur verlassen hatte.

an der Realität vorbei

Oktober 20th, 2007

[current music: Placebo - every you every me]

Jetzt zwingen sie mich schon, zu träumen. Mir Sachen auszudenken, die, wenn man ein bisschen realistisch ist, doch nie etwas werden können. Und diese Sachen soll ich auch noch kundtun. Das beruhigt sie, das erfreut sie. Und ich komme mir albern vor. Aber das darf man nicht sagen. Und ich komme mir so albern vor, diese Sachen auf ihren Wunsch hin zu erzählen, weil es sie beruhigt. Und ich weiß jetzt schon, dass das nichts wird, nie etwas werden kann. Und wenn man seine Wünsche vom Leben äußert, stößt man auf Missfallen, Geschrei und Entsetzen.
Und im Bad da steht ein Papierkorb in der Dusche. In diesem Papierkorb schwimmen in trübem Wasser Slips, die nicht mir gehören. Warum muss ich auch immer den Duschvorhang zur Seite ziehen? Genau, es könnte ja wer dahinter stehen.

ich habe eingesehen, dass wir uns lächerlich machen

Oktober 18th, 2007

[current music: Placebo - you don't care about us]


Hier darf man kein Wasser mehr trinken, das aus dem Wasserhahn kommt. Das hat aber eh immer schon schlimm geschmeckt. Obwohl man sich an das Salz gewöhnt. Auch an das in der Wunde. Und zum Zähneputzen sollen wir das Wasser vorher abkochen; ein Rat, den ich nicht befolge. Ein bisschen wie bei 28 days later. Es sind wahrscheinlich sowieso schon alle infiziert.

nasjonalforsamling

Oktober 14th, 2007

[current music: Lukestar - white shade]

Nach dem Besuch der gestrigen Party, die vom Fachbereich Germanistik, also von Norwegern, welche Deutsche Sprache und Literatur studieren, organisiert wurde, frage ich mich, was für ein Bild die Norweger von den Deutschen haben.
Der gesamte Pub war geschmückt mit unzähligen Deutschlandfahnen, die als Wimpelketten die Räumlichkeit durchzogen. Hinzu gesellte sich ein riesiges Aufkommen an roten, schwarzen und gelben Luftballons. Und weil das noch nicht genug ist, wurden die Knabbereien noch mit kleinen deutsch-beflaggten Cocktail-Fähnchen verziert. Gefallen hat mir auch die Haarpracht der Thekenleute: Perücken mit langen blonden geflochtenen Zöpfen. Sehr authentisch.
Erwähnung sollte auch die musikalische Auswahl der Norweger finden: Ein Potpourri aus Stereo Total, Wir sind Helden, Nena, Stereo Total, Wolfgang Petry, Wir sind Helden, Falco, Stereo Total und aus Klängen, zu denen man wunderbar alpenländische Volkstänze hätte performen können.
Das Highlight war vielleicht der Norweger, der kein Germanistik studiert, und versuchte eine der Flaggen in Brand zu setzen. Das schlug allerdings fehl, die Fahnen brennen nicht.
Und nun muss ich mein Referat zum Thema Ein typisch deutsches Gericht und dessen Zubereitung abfassen.

vom größten See Schwedens zum östlichsten Punkt Norwegens…

Oktober 13th, 2007

[current music: Lukestar - white shade]

Ich glaube, ich finde es hier auch deswegen schön, weil es so weit weg ist. Von dem, was war. Von dem, was man falsch gemacht hat. Was es nicht wert war, falsch gemacht zu werden. Und das war nicht wenig. Hier kann man ein bisschen neu anfangen, vergessen. Freilich nicht alles. Das will man ja auch nicht.
Letzte Woche habe ich oberhalb des Polarkreises im Auto übernachtet, Elche auf der Straße gesehen, Rentiere mit der Kamera verfolgt, war im wohl schönsten und abgelegensten Dorf mit weißem Sandstrand und am östlichsten Punkt Norwegens. Wie gerne würde ich dort einmal für eine Weile leben, wo nichts außer Flechten wächst und Möwen fliegen.