sickgirl

Unschuldig und suchend, wie ein behinderter Hund

September 29th, 2007

[current music: Tomte - mit dem mofa nach england]

Wenn sie mir erzählt, eine Wahrsagerin hätte ihr anvertraut, dass sie früher ein chinesischer Richter war, kann ich nichts dazu sagen. Nächstes Jahr wird ihr Glücksjahr sein. Und selber besitzt sie auch hellseherische Kräfte. Ich kann dazu nichts sagen und kaufe stattdessen ein Kilogramm Rosenquarzsteine – für sie.
Genauso wenig kann ich etwas über mich sagen. Warum ich dies und jenes tue. Wieso ich nicht einmal das ertrage, was ich für gut und richtig halte, was mich anfangs glücklich macht. Nach einigen Wochen, immer derselben Anzahl an Wochen – auch wenn ich keine Acht darauf gebe -, finde ich ja doch alles in dieser Hinsicht schrecklich und mich am meisten, weil ich mich nicht verstehe. Den Schaden haben die Anderen. Für mich geht es nur weiter wie bisher. Weitersuchen. Immer weiter und eine Spur hinterlassen. Ich glaube, ich war früher ein behinderter Hund. Auch ohne Wahrsagerin, glaube ich das manchmal.
Auf meinem Tisch liegen drei Tickets für verschiedene Konzerte. Das ist schön. Und vier Zugtickets nach Schweden und zurück. Auch schön. Es ist immer was los. Manchmal brennen die Straßenlampen hier den ganzen Tag lang und ich kann es nicht schlimm finden. Aber es macht müde.

55° Backofen

September 22nd, 2007

[current music: Minor Majority - whish you'd hold that smile]




Wir waren wandern auf dem Vettakollen, haben uns verlaufen, viele Seen gesehen, sind fast erfroren, erklimmten den Kolsås-Berg, um auf der Spitze zu grillen, waren am Hafen, kauften frische Garnelen, fütterten die Möwen, tranken teuren, aber sehr guten, Cappuccino im Nobels Fredssenter, haben den ekligsten Apfelsinensaft, den es nur geben kann, gekauft, ein fantastisches Konzert erlebt, zu spanischer Musik und Scooter getanzt.

norwegischer Humor

September 15th, 2007

[current music: Pink Floyd - comfortably numb]

Donnerstag, 11.15 Uhr, Kiwi-Supermarkt, Oslo: Wir dürfen eine Kostprobe des norwegischen Humors genießen.
Before 3 it’s not allowed to buy more than 5 things, sagt die Kassiererin. Ich schaue sie an, schaue meine Einkäufe an, schaue ihn an. Wir schauen nach oben.
Meine Gedanken dazu: Es – ist – nicht – erlaubt – mehr – als – fünf – Sachen – vor – drei – Uhr – zu – kaufen? Hm? Vielleicht ist das hier eine Kasse, wo man nur fünf Sachen auf’s Band packen darf. Gibt es in Deutschland ja auch. Aber hier ist kein Schild und außerdem ist das die einzig besetzte Kasse. Vielleicht redet die Kassiererin vom Bier? Aber ich habe nur drei. Und er will insgesamt ja sowieso nur fünf Dinge kaufen….
Die Kassiererin wiederholt den Satz. Wir schauen abwechselnd uns und dann die Kassiererin hilfesuchend an.
Meine Gedanken dazu: Am Montag durfte man ja auch kein Bier wegen der Wahlen kaufen. Mich wundert hier nichts mehr. Womöglich hält der König zwischen 11 und 15 Uhr eine Rede und damit man dort nicht besoffen oder vollgefressen hingeht oder damit man überhaupt hingeht, anstatt einzukaufen….
Die Kassiererin denkt wahrscheinlich, wir können kein Englisch und wiederholt ihren Satz erneut. Ich schaue sie nur noch verzweifelter an und meine Gesichtszüge entgleisen womöglich.
Plötzlich lacht sie und sagt: Just kidding!

utsikt

September 14th, 2007

[current music: Ane Brun - a temporary dive]

schön hier

September 11th, 2007

[current music: Turbonegro - I wanna come]

Eine kurze Ereigniszusammenfassung:
* In Norwegen kann niemand mit einer Alkoholfahne bewaffnet ins Wahllokal stolpern, denn an Wahltagen wird kein Alkohol verkauft. Außer auf den Wahlpartys. Der Grund liegt darin, zu vermeiden, betrunken eine Wahlentscheidung zu treffen, habe ich mir sagen lassen. Ob das stimmt und ob das wirklich die offizielle Begründung ist, weiß ich nicht. Aber die Begründung dafür, nach 20 Uhr an Wochentagen und nach 18 Uhr am Samstag (an Sonn- und Feiertagen natürlich gar nicht!) kein Bier mehr kaufen zu dürfen, ist ja auch, dass man seine Abendgestaltung gefälligst rechtzeitig planen soll.
* Die deutschen Studenten sollen im Norwegischunterricht einen Aufsatz zum Thema kulturelle Errungenschaften im Herkunftsland schreiben und philosophieren seitenweise über Bierpreise und -beschaffung in Deutschland.
* Auf einer Party, wo sich alle internationalen Studenten treffen und wo jeder ein Schildchen trägt mit seinem Herkunftsland, tausche ich mein Schild erst gegen das von Italien. Und später bin ich dann Spanierin. Wenn man Italiener oder Spanier ist, begegnen einem die Menschen viel freundlicher.
* In Norwegen habe ich fast einen Herzinfarkt erlebt. Erst der Feueralarm in unserem Wohnhaus. Und dann noch die in der Spüle sitzende Taube, die plötzlich losfliegt als ich die Küche betrete.
* Kaum einen Monat hier und ich habe bereits die bekannteste Band Norwegens live gesehen: Turbonegro. Und das auch noch gratis. Es gab kein Bier auf dem Festivalgelände; es war ja für die Familie gedacht. Seitdem höre ich nur noch das neue Album von Turbonegro.
* Noch nie wurde ich für ein Referat so sehr gelobt wie hier und ich glaube, das war auch noch ernst gemeint. Mit Applaus und Erwähnung meines Namens in zweiminütigem Abstand.
* Und zu guter Letzt noch eine Filmempfehlung: This is England. Grandios.

skrik

September 5th, 2007

[current music: Thursday - the lovesong writer]

Hier ist es nach wie vor schön. Und jeden Abend seh ich ihn, den roten Himmel. Immer anders und meistens nur von kurzer Dauer und muss dabei an Edvard Munch denken.


I was walking along a path with two friends – the sun was setting – suddenly the sky turned blood red. I paused, feeling exhausted, and leaned on the fence – there was blood and tongues of fire above the blue-black fjord and the city – my friends walked on, and I stood there trembling with anxiety. I sensed an infinite scream passing through nature.
(aus dem Tagebuch Munchs)