apocalypse now
Mai 29th, 2007
Ein zehnminütiger Sturm mit tischtennisballgroßen Hagelkörnern führte dazu, dass drei Tage in Folge über diesen debattiert wurde. Schon währenddessen kam es zu Ausrufen wie Waaaahnsinn! oder Mach’ um Himmels Willen das Fenster zu! Nachher fliegt noch ein Feuerball rein! oder Hast du das gesehen?!. In der Zeit danach wurde bei jedem Bekannten, Patienten und Verwandten angerufen, um das Ausmaß der Schäden bewerten zu können. Und jedes verbeulte Auto, jeder herabgefallene Ast und jedes zerschlagene Fenster wurden beschrien.
Nur einen Menschen interessierte das alles nicht so. Dieser Mensch sah auch die tischtennisballgroßen Hagelkörner und den Regen und die Autos, aber das konnte ihn keine drei Tage lang in Aufregung versetzen. Nicht einmal drei Stunden. Vielleicht hat er kein Auto. Vielleicht weiß er, dass auf die Schnelle nichts am Wetter zu ändern ist. Vielleicht ist ihm auch einfach nur alles egal. Oder er hat andere Probleme.
Wie immer, wenn er dort ist, wird ihm am Mittagstisch schlecht. Wahrscheinlich ist er zu empfindlich. Er muss sich doch wirklich nicht vor dem fetten Zeckentier ekeln, dass ihm gerade, kurz nachdem es aus dem Hund gedreht wurde, unter die Nase gehalten wird.
Und apropos Zecken – ein weiteres mal erlebte er die leidige Diskussion, wieso seit der Wende soviele Zecken in Ostdeutschland sind. Die gab’s doch früher nicht! Oder kann sich irgendwer daran erinnern, auch nur eine einzige Zecke vor der Maueröffnung gehabt zu haben?! Nein? Siehste!
Da ist alles anders. Da werden auch benutzte Taschentücher in den BH gesteckt statt in die Hosentasche oder weggeworfen. Da werden Tierfelle auf die Couch gelegt, weil die wegen der Lederhaut nicht runterrutschen und weil’s ein bisschen schön ausschaut. Da werden auch, so als sei es ganz normal, Mink-Nester zerstört, weil aus dem bösen Mink ja sonst zehn böse Minks werden, die dann alle Hühner töten. Und wenn der Hundewurf mehr als acht Welpen hat, dann muss der Rest eben getötet werden, wird gesagt, weil besser für den Mutterhund und per Zuchtgesetz ist das eben so. Oder so. Reinzureden hat da niemand.
Aber ihn schockt das alles gar nicht mehr so, denn es ist ja doch immer nur das gleiche. Und das Kurioseste: Die Anderen machen sich Sorgen um ihn.
ich so, er so, perso
Mai 29th, 2007[current music: Shout Out Louds - please please please]
Er so: Und wo fährst du hin?
Ich so: Marburg.
Er so: Ich habe dich schon mal gesehen.
Ich so: Hm.
Er so: Aber wenn du nicht aus Treysa bist, dann ist das ja komisch. Fährst du oft mit dem Zug?
Ich so: Nee, nur alle paar Monate oder so.
Er so: Nächstes Wochenende also nicht. Schade. Marburg ist ja auch so weit weg, sonst würd ich dich mal besuchen kommen. Aber der Weg dahin ist so langweilig. Überhaupt ist Marburg eine ganz komische Stadt. Da verlässt man den Bahnhof und zwei große Straßen führen von dort weg. Seltsam.
[Pause]
Er so: Ist in Marburg auch bald Kirmes?
Ich so: Keine Ahnung. Kann sein. Ja, vielleicht.
Er so: Da treffe ich dich ja dann vielleicht an.
Ich so: Eher nicht.
Er so: Wieso? Keine Lust oder keinen Bock?
[Gesprächspause, weil der Schaffner kommt.]
Er so: Gehst du zur Schule?
Ich so: Nein.
Er so: Hast du schon deinen Führerschein?
Ich so: Ja. Seit fünf Jahren oder so.
Er so: Oh. Ich dachte, du bist 18 oder höchstens 19. brabbelbrabbelbrabbel [unverständlich]
Ich so: Ja.
Er so: Verrate mir mal dein Geheimnis! Wie bleibst du so jung? Los, sag mal! Ich sehe schon aus wie 30 und hätte ich noch einen Ring an der richtigen Hand am richtigen Finger, dann geh ich auch als 40 durch.
Ich so: Ach naja.
[Pause]
Er so: Die Rekruten, die sind ganz schlimm. Die reden jeden an. Einfach so. Jedes Mädchen. Aber in der Fahrschule, da scheuche ich die immer rum. Das ist so toll. Der Eine denkt immer, dass er Vorfahrt hat.
Ich so: Hm ja.
[Pause]
Er so: brabbelbrabbelbrabbel [unverständlich]
Ich so: [Gequältes Lächeln und Kopfnicken. Frei nach dem Motto: Immer Nicken und freundlich gucken, wenn man nix versteht.]
Er so: Also gibst du mir deine Handynummer?
Ich so: Äh nein.
Manchmal finde ich Menschen schon sympatisch, wenn ich sie nur anschaue – einfach weil sie jemandem ähnlich sehen, den ich kenne. Und diesen jemand muss ich nicht einmal mögen. In diesem Fall, da mochte ich ihn aber. Das änderte nur nichts daran, dass der, der ihm ähnlich sieht, gar nicht so sympathisch war.
the answer is a question
Mai 16th, 2007Sinn/Unsinn/neuerSinn
Mai 15th, 2007[current music: Nelly Furtado - all good things (come to an end)]
…hey hey – my my, manchmal wünschte ich dieser Quatsch wär schon vorbei…
Mehr als ein Mal wollte ich sie fragen, was sie vom Ende des traurigen Films hält, kam aber immer wieder davon ab. So als erschien mir die Frage unsinnig. Aber eigentlich war das Ende des Films genau das. Doch die Moral des Ganzen gefiel mir irgendwie: Das was in der Vergangenheit war, lässt sich nicht mehr ändern, aber die Zukunft, die kann man beeinflussen, besser machen, ein bisschen nach seinen Wünschen gestalten. – Aber muss man deswegen beim Alten bleiben, nochmal versuchen? Ich gebe vielleicht auch immer zu schnell auf. Weiß ich nicht. Wozu festhalten. Lieber Neues als an etwas festhalten, was nicht ist, nicht oder nur einseitig existiert.
Und am liebsten würd ich mit meinen Martini-durchsetzten Gedanken mal ein, zwei Leuten etwas schreiben wie: Bitte, gebt mir meinen Verstand zurück haben Tocotronic mal gesungen und Peter Licht ist scheiße find ich nicht gut.
die neue Seltsamkeit
Mai 8th, 2007[current music: The Young Knives - weekend and bleak days (hot summer)]
Wenn ich abends in meinem Bett liege und durch die riesigen Fenster nach draußen schaue, meistens friere, immer alleine bin und Musik höre, fühle ich mich ganz klein und einsam; wünsche mir, dass da nicht einfach nur Sterne, Wolken, Flugzeuge und dieses leuchtende Herz sind. Sondern dass sich etwas als unbekanntes Flugobjekt oder etwas ähnlich Unruhestiftendes entpuppt. Egal was, hauptsache es lenkt ein bisschen ab, ist fantastisch und verdrängt jeden einzelnen Gedanken, den man sich des nachts so macht.
Es ist alles so seltsam gerade. Manchmal habe ich das Gefühl, es gerät alles aus den Fugen, kommt durcheinander und nicht mehr in Ordnung. Und alles nur, weil ich mache, was ich will, mir aber eigentlich nie zugetraut hätte, immer nur gewünscht habe. Weil ich einmal alles hinwerfe, etwas Neues aufbaue, was ich wieder hinwerfen muss, um dann dort weiterzumachen, wo ich aufgehört habe. Und dann alles zu Ende bringen. Nur weiß ich dann nicht, wo ich hin will.
Es ist überhaupt schwierig, das gerade alles in Worte zu fassen. Doch schwieriger wird das, was kommt, glaube ich. Aber auch schön, glaube ich. Und eigentlich kann ich es kaum abwarten, aber das davor – das macht mir Angst.
Und vielleicht ist alles so seltsam, weil es um die Zukunft geht und man nichts genaues sagen kann, weil ungewiss.






