sickgirl

on the other side

Februar 26th, 2007

[current music: Logh - my teacher's red]

Damals wusste ich nicht, was diese drei weißen Buchstaben bedeuten; eingeritzt auf der grünfarbenen Wand in dem kleinen Flur, der zu unserem Klassenraum führte. Der Flur, in dem wir immer warten mussten bis die strenge Lehrerin mit dem langen Rock, in dem eine Bluse steckte, kam und aufschloss.
Der kleine Flur führte zu dem Klassenraum, den wir im ersten Schuljahr nutzten und der in einem extra Gebäude war. Er war groß und vorne befanden sich ein Podest und eine Kanzel. Ganz anders als unsere späteren Klassenräume. An der Wand hingen gerahmte schwarz-weiße Portraitfotos von Männern und die grüne Tafel war riesig groß.
Ich saß zuerst in der Fensterreihe. Dort lag auch meine Schultüte, als wir alle zum ersten Mal den Raum betraten. Später lernte ich ein bisschen schreiben, guckte viel zu oft aus dem Fenster und unterhielt meine Nachbarin, so dass sie immer schlechter wurde und ich bald neben dem großen gelben Kachelofen saß – allein.
Zu meiner Aufmerksamkeit trug das nicht unbedingt bei. Ich erinnere mich noch gut daran, wie diese grinsende Frau mit den riesigen, hässlichen Zähnen zu Besuch war, um auf dem Podest mit einem Gebiss und einer Zahnbürste in der Hand aufgeregt auf und ab zu laufen. Ich träumte vor mich hin, zählte die Kacheln des Ofens, die einen Sprung hatten, und plötzlich stellte sie mir eine Frage. Eine, die ich nicht beantworten konnte, denn ich hatte ja nicht zugehört.
Jeden Morgen wieder standen wir gedrängt im kleinen Flur und ich betrachtete die drei Buchstaben und fragte mich, wer sie wohl dort hineingeritzt hatte. Manchmal zeichnete ich sie mit dem Finger nach und dachte über ihre Bedeutung nach: ddr.

long days

Februar 16th, 2007

[current music: David & The Citizens - until the sadness is gone]

Der Valentinstag hätte so schön romantisch werden können! Im Kino mit dem jungen Hannibal Lecter, der die Mörder seiner Schwester sucht, um sie zu verspeisen. Ich hatte Karten für die Vorpremiere am Mittwoch reserviert.
Aber nun liege ich seit Dienstag die meiste Zeit im Bett, lese oder gucke mir Leute mit vergammelten Zähnen in TalkShows an. Und die Werbung wirkt eine seltsame Anziehungskraft auf mich aus. Auf einmal bin ich beeindruckt von Raumduftverteilern, Joghurts mit Fruchtstücken, von Schimmel-, Rost- und Kalkentfernern. Aber glücklicherweise vergesse ich ganz schnell all die Markennamen – zu schnell, um jemanden zu beauftragen, dieses oder jenes aus dem Supermarkt mitzubringen.
Ich verbringe also meine Zeit (zum Teil mit wirren Fieberträumen) im Bett. Mit vielen, vielen Taschentüchern und einer Katze:

bald

Februar 11th, 2007

[current music: Modest Mouse - dance hall]

Ich habe es noch nicht zu Ende gelesen, aber es geht um einen Mann, der denkt, dass er bald stirbt. Schon sehr bald. In der Nacht von Samstag auf Sonntag. Er erzählt von diesen Augen, die er vor dreieinhalb Jahren sah. Er sah nur diese Mädchenaugen für eine Zehntelsekunde – sonst nichts von ihr. Er wollte sie wiederfinden. Ging zu dem Haus, vor dem er den Kopf mit den Augen auf Ellenbogen gestützt sah, aber sie wohnte dort nicht. Er suchte sie und fand sie nicht. Und nun hat er Angst, weil ihm klar wird, dass er diese Augen nie mehr wieder sieht, da er bald stirbt. Wie es weiter geht? Ich weiß es nicht.
Das klingt schön und so einfach irgendwie. Vielleicht stirbt er. Vielleicht sucht er sie. Vielleicht findet er sie. Vielleicht werden die Augen im Verlaufe des Buches gar nicht mehr erwähnt. Und doch schön: bis hierhin.

.anders

Februar 11th, 2007

[current music: Modest Mouse - dance hall]

Das ist mir ja noch nie passiert. Ich weiß nicht, ob schon Semesterferien sind oder nicht. Immerhin wissen es meine Freunde auch alle nicht so genau und wir stolpern lieber weiterhin durch Marburgs Tanzlokale, die zeitweise so voll sind, dass man jede Person auf der Tanzfläche schon mindestens einmal (unsanft) berührt hat und ein Schluck aus der Flasche zur Mutprobe wird.
Der Regen hat mich heute geweckt. Im Halbschlaf dachte ich allerdings stundenlang, es handele sich bei dem Gepoltere gegen die Scheibe um eine fette Fliege, was meine Stimmung nicht unbedingt hob.
Und jeden Abend gehen wir todmüde ins Bett und denken daran, was sein könnte, wie etwas werden könnte. Natürlich malt man sich alles rosarot und mit größter Präzision aus. Ob es unrealistisch ist, spielt keine Rolle. Da denkt man sich vermeintlich schöne Dinge aus, die einen so verzweifeln lassen, dass man gar nicht mehr schlafen kann. Aber an was soll man sonst denken, wenn nicht, an etwas Angenehmes? Sich schlechte Zukunftsvisionen ausmalen, das kommt freilich auch vor, aber dann kann man auch nicht besser schlafen und man wird bisweilen recht nervös.
Ein ganzes Leben geht das nun schon so. Jeden Abend. Manchmal nachmittags. Manchmal vormittags, wenn man noch einmal weiter schlafen möchte. Da wird gedacht, gesponnen und geträumt. Und man stelle sich einmal vor, dass das schon immer so geht, aber niemals auch nur halbwegs in Erfüllung gegangen ist. Es kommt alles anders, als man es vermutet oder gern gehabt hätte. Vielleicht ganz gut so, weil sonst wäre es ja langweilig hier. Aber es kommt auch irgendwie immer ernüchternder, als man es sich ausgemalt hat. Auch da gewöhnt man sich dran.

cowgirl

Februar 8th, 2007

[current music: Klaxons - it's not over yet]

Der Doktor sieht aus wie man sich einen Doktor vorstellt. Weißer Kittel, Schnauzbart und immer diesen HNO-Stirnspiegel auf dem Kopf. Und seine Frau wie eine Sportlerin. Nach unzähligen Stunden in der Praxis weiß ich nun, dass ich nicht auf Teppichen oder in vermilbten Betten schlafen, nicht im Schimmel wohnen und Birkenpollen sowie Körnernahrung meiden sollte.
Gestern habe ich die Fotos live gesehen und heute habe ich schon Kaffee bis zum Kreislaufversagen getrunken und mein Handy kaputt gemacht.

Und nochmal…

Februar 2nd, 2007

[current music: DeVotchKa - how it ends]

Diesmal noch origineller und blutiger, las ich in einer Rezension zu Saw III. Blutiger war’s auf jeden Fall, aber origineller? Teilweise fand ich es derart widerwärtig und eklig, dass ich mich wirklich gefragt habe, wieso ich mir so etwas antue und wie ich das jetzt noch anderthalb Stunden aushalten soll (Ich glaube, ich war gestern nicht ganz in Form.): Menschen, die sich den Fuß mit irgendwelchen Emailplatten zerhauen, explodierte Köpfe, säurezerfressene Hände und verdrehte Gliedmaßen mit heraussplitternden Knochen. Nunja, wenn man mit Spannung und einfallsreicher Story nicht mehr punkten kann, dann vielleicht mit Amputationen, Bohrer, die in die Schädeldecke gejagt werden oder halb weggeschossenen Köpfen. Aber das kommt auch an.
Worum es diesmal geht: Jigsaw lebt immer noch. Er siecht mit Sauerstoffmaske im Gesicht in seiner Folterwerkstatt dahin und seine Gefolgsfrau Amanda wuselt um ihn herum. Schließlich entführt sie die Ärztin Lynn, die den bettlägrigen, krebskranken Jigsaw am Leben erhalten soll. Gefügig gemacht wird Lynn durch eine bombige Halskrause, die zu explodieren droht, wenn Jigsaw stirbt. Nebenher spielt Jeff die Hauptrolle in Jigsaws finalem Spiel. In den einzelnen Folterkammern trifft er auf Leute, die mit dem Tod seines Sohnes in Verbindung stehen. An denen darf er sich nun rächen oder auch nicht.
Als ziemlich störend empfand ich die vielen Rückblicke, die zwar einiges aus den Vorgängerfilmen plausibilisierten, aber in ihrer Häufigkeit doch eher nervten. Auch die krasse Wendung am Schluss des Films, wie man sie in Teil eins hatte, blieb leider aus.
Bis gestern war ich eigentlich auch noch der Überzeugung, dass man jetzt keine weiteren Teile mehr drehen kann, weil die Figurenkonstellation es nun nicht mehr wirklich zulässt, aber soeben habe ich gelesen, dass zumindest noch Teil vier und fünf geplant sind. Jetzt wird’s spannend.

Würde ich sowas wie Filmpunkte vergeben, wären das hier vielleicht 6,5/10.