sickgirl

auf der box

September 28th, 2006

Während mein Mitbewohner sich darüber den Kopf zerbricht, wie er den Rest der WG tyrannisieren kann, geht für den Rest der WG das Leben weiter wie bisher. Klar ist das Psychoterror vom Feinsten, wenn plötzlich der große Nudeltopf versteckt wird oder Zwiebeln gegen die Zimmertür geschmissen werden, aber was soll man machen?
Das Grausamste überhaupt, das man uns angetan hat, war aber etwas anderes; und diese Szenerie könnte glatt einem Horrorfilm entspringen: Der wundervolle Hundekalender im Flur bestand plötzlich nur noch aus Pappe. Nur noch die Pappe des Kalenders hing an der Wand, während all die Monate mit den süßen Hundebabys auf dem Boden verstreut lagen. Das muss man sich mal vorstellen! So ein trauriger Anblick! Mittlerweile sind die anderen zwei Drittel der WG aber darüber hinweg, doch der Schock sitzt tief.
Scheinbar so tief, dass wir gestern rotzbesoffen (ein anderes Wort wäre an dieser Stelle unpassend, denn das trifft’s wirklich) in der Diskothek auf der Box getanzt haben! Ich will gar nicht wissen, was die Leute von uns dachten, aber ich habe das Gefühl, ich sollte diese Lokalität mal lieber ein paar Wochen meiden, so dass wir in Vergessenheit geraten. Wie wird das wohl ausgesehen haben? Zu fünft auf der Box (eine Person sogar mit Rucksack), die eigentlich für drei Leute ist. Eigentlich ist die ja gar nicht da zum Draufherumtanzen! Sondern zum Sitzen! Wir sind doch nicht auf der Love Parade! Aber so sah es wohl aus. Fünf besoffene Menschen, die rumgrölten, klischeehafte Tanzbewegungen machten so gut es ging, ihre Arme mit der Bierflasche in der Hand nach vorn ausstreckten und sich womöglich noch gegenseitig begrabbelten (An letzteres kann ich mich nicht erinnern; wurde auch sowieso nur der Dramatik wegen hier eingebaut. Is eh klar.) und mit Zigaretten verbrannten. Eigentlich hätten nur noch Knicklichter, Trillerpfeifen und leuchtend bunte Bauarbeiterwesten gefehlt, obwohl das wiederum nicht zur Musik gepasst hätte. Aber immerhin zu unserer Performance! Ach, ich glaube, wir haben der Menge ganz schön eingeheizt und sämtliche Menschen dort animiert, ebenfalls zu tanzen! Hoffentlich kommen wir jetzt beim nächsten Mal umsonst rein.
Damit ist der Gipfel der Feierei wohl erreicht. Zumindest dachte ich das heute Morgen um neun, als ich aufwachte und bemerkte, dass ich noch in voller Montur – inklusive Schuhe – bin.

Zweckentfremdung

September 27th, 2006

Was sich nicht geändert hat: Noch immer träume ich in schöner Regelmäßigkeit davon, verfolgt zu werden und davon, unfähig zu sein, meine Gegner ernsthaft zu verletzen.
Was sich geändert hat: Ich setze mich jetzt nicht mehr nur mit Steinen, Messern oder den bloßen Fäusten zur Wehr, sondern werfe Bierflaschen auf meine Verfolger.
Was bedenklich ist: Während ich die Flaschen werfe und den Kasten mühevoll hinter mir herziehe, denke ich nicht einen Augenblick daran, den Kasten stehenzulassen, da es sich ohne viel schneller läuft; nein, stattdessen bedauere ich es, einen Großteil des Bieres herumgeschmissen und dann noch nicht mal wen getroffen zu haben.
Das Ergebnis: Das eigentlich alpige am Traum war nicht die Verfolgung, sondern der Verlust des Getränks aufgrund dessen Gebrauch als Wurfgeschoss. Jaja.

gude laune, alder!

September 24th, 2006

[current music: Robots In Disguise - turn it up]

Als ich neulich ohne besonderen Anlass aus dem Fenster blickte und in jenem Moment ein Kamel vorbeistolzierte, dachte ich ernsthaft daran, etwas an meinem Lebenswandel zu ändern. Als dann noch eine Horde trommelnder, singender Kinder mit bunten Hüten vorbeilief, wusste ich, das existiert nicht nur in meiner Vorstellung. Denn was wäre das für eine Vorstellung, die schlimmer als die Realität ist? Ich tendiere ja dazu, tagzuträumen. Im Bus, im Bett, auf der Straße. Immer und überall male ich mir Dinge aus, wie sie sein könnten. Schöne Dinge natürlich. Auch manchmal, während ich ein Buch lese, um dann nach zwanzig Seiten festzustellen, dass ich vom Gelesenen gerade absolut nichts mitbekommen habe.

Aufgrund meiner Unkommunikativität schlug man mir vor ein paar Tagen übrigens vor – und ich finde diese Idee äußerst amüsant -, mir eine Art Brustbeutel zuzulegen, auf dem ich das Wichtigste über mich schreibe, wie: Doreen – 23 – Single – the message is feierei, alder! – südlicher Mondknoten im Steinbock. Und dann, dann muss ich nur noch umher laufen und irgendwelchen interessanten Menschen am Ärmel zupfen und meinen Brustbeutel entgegenstrecken. Das wäre ja mal was.
Überhaupt haben wir dauernd komische Ideen in letzter Zeit, die wir natürlich vorerst nicht umsetzen, denn eine Weile möchten wir schon noch in Marburg wohnen bleiben, ohne dass jeder, aber auch wirklich jeder, zu tuscheln beginnt, wenn er uns sieht. Aber super wäre es schon, wenn Julia heute Abend zum DJ (der DJ heißt Klaus) -Mikro schleicht, dieses an sich nimmt und hineinbrüllt: Klaus is in da House!. Ein Traum! Diese und weitere alberne Sachen gedeihen in den doch ziemlich langen Semesterferien in unseren Hirnen. Ich glaube, nie wurde soviel gelacht wie in den letzten zwei Monaten. Und irgendwie ist es schön.

tanz, baby, tanz!

September 19th, 2006

[current music: The Cribs - it was only love]

Sie schickten mich aus dem Prüfungszimmer und ich hörte es drei Minuten aus demselben kichern. Das macht nicht gerade Mut. Dass ich bestanden hatte, war mir klar, aber was es da zu lachen gab, nicht so. Was rege ich mich darüber eigentlich auf, ich kichere ja selbst dauernd und manchmal lache ich sogar sehr dreckig und laut, so dass alle Leute irritiert schauen und sich angesprochen fühlen. Irgendwann durfte ich zurück ins Prüfungszimmer und die zwei Prüferinnen grinsten mich an und streckten mir schlagartig ihre Hände entgegen, um zu verkünden, dass ich bestanden hätte. Ach nee.
So eine Zwischenprüfung ist auch nichts Spektakuläres. Da muss man auch keine Angst vor haben, weiß ich jetzt, auch wenn die Angst bei mir erst eine Stunde vor der Prüfung einsetzte, weil ich in den Wochen zuvor, in denen ich lernen wollte, gute Verdrängungsarbeit leistete, indem ich mehr getanzt und getrunken als gelernt habe.
Manchmal verstehe ich mich selbst nicht. Da ist es mir peinlich, in der Mensa zu fragen, wieviele Beilagen ich nehmen darf und andererseits benehme ich mich wie eine offene Hose (Das sagt man im Osten so!). Ich tanze extrovertiert und auch alleine oder ich brülle Männern, die mich während des Tanzens ansprechen (Wie kann man nur?!), entgegen Das ist gerade die beste Band der Welt mit ihrem schlechtesten Lied! und sehe das als Legitimation dafür, einfach weiterzutanzen. Nicht, dass das zum ersten Mal passiert wäre…
Überhaupt schon komisch, was für eine Wandlung man im Laufe der Zeit so durchmacht. Am Anfang in Marburg und auch daheim habe ich nie getanzt, weil ich mich viel zu sehr geschämt hätte. Dann wurde vor zwei Jahren so ein seltsamer Tanz draus: Schritt nach Links, Schritt nach rechts und so weiter, dabei Hände in die Hosentaschen. Es war mir sowieso lange Zeit ein Rätsel, was mit den Armen und Händen beim Tanzen passieren soll. Ich fand, sie waren nur zum Bier und Zigarette halten gut. Später wurde der Tanzstil dann etwas lockerer: Beine abwechselnd nach vorn schleudern. Also nicht so richtig schleudern; das säh dann auch eher unvollkommen aus. Und heute, da tanzen wir schon hemmungslos, da ist der DJ noch am sich Betrinken und hat nur eine CD eingelegt. Und wir tanzen mit vollem Körpereinsatz. Auch die Arme sind dabei! So lange und intensiv, dass ich noch Tage danach Muskelkater habe. Das kann ja nur gesund sein.
Mit dem Mitsingen verhält es sich übrigens ähnlich. Das habe ich mich früher nie getraut. Und jetzt wird gebrüllt.
Nun weiß ich gerade nicht, ob dies eine Entwicklung ist, die mir zu denken gebe sollte oder ob das alles gut so ist. Ich fühle mich gut, auch wenn ich ab und zu, sobald ich betrunken bin über das Studiverzeichnis, peinliche Nachrichten an schöne Männer schicke. Aber selbst das ist okay, denke ich.

Doreen und der DJ

September 14th, 2006

[current music: Thrice - the artist in the ambulance]

Doreen: Hey, kannst du mal i’ll be there for you von den Rembrants spielen?
DJ: Du meinst doch wohl jetzt nicht diese ekelhafte Friends-Titelmelodie?!
Doreen: Ja, doch! Genau die!
DJ: Ääh… ich glaube, ich habe das Lied nicht dabei.
Doreen: Hm ok. Dann halt Prodigy!

Auch wenn das jetzt nicht danach aussieht, es war ein schöner Abend gestern.

have you ever

September 12th, 2006

[current music: Number Seven Deli - for my sweetheart]

durch die nacht

September 11th, 2006


Es muss schon komisch ausgesehen haben, wie wir an einem frühen Samstag Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein, mit einer großen Alditüte und Messer in der einen und Pilzbestimmungsbuch in der anderen Hand durch den Wald gestolpert sind. Sowas hätte sicherlich niemand von uns erwartet.
Was mich ein bisschen stolz macht, ist, dass wir nicht nur uns vertraute Pilze sammelten. Also jene mit Schaum statt Lamellen unter der Haube, sondern auch eine neue Art von Pilzen, die wir laut Bestimmungsbuch als essbar identifizierten: der Safran Schirmpilz. Anhand kleiner Tricks, wie dem Einritzen von Pilzstellen, die sich dann safranfarben oder orange verfärben sollen, haben wir diesen Pilz, den wir sonst auf jeden Fall als giftig abgetan hätten, in unser Sammlerrepertoire aufnehmen können. Und giftig war er wirklich nicht, denn beide haben wir die Pilzpfanne ohne Schäden überstanden.
Aber zugegeben, ein bisschen mulmig war mir schon. Wer will schon gerne einer Pilzvergiftung erliegen? Ich habe mir ausgemalt, wieviel einfacher und sicherer es wäre, würde man Institutionen einrichten, zu denen man nach getaner Pilzsammlung gehen kann, um die Pilze auf Essbarkeit überprüfen zu lassen. Das wäre mal fein.
Vielleicht werde ich in meinem späteren Leben mal Pilzexperte oder züchte selbst Pilze. Das geht nämlich, wie ich fasziniert gelesen habe. Und ich meine damit übrigens keine Schimmelpilze. Die kann ja jeder züchten.

Norwegenfotos

September 10th, 2006

[current music: Louis XIV - all the little pieces]

Hier noch vier Fotos aus Norwegen. Gemacht vom Gastgeber in Oslo. Somit auch alle in Oslo entstanden.


Bild1: Auf der Fähre zur Insel Hovedøya.
Bild2: Bei den Klosterruinen auf Hovedøya.
Bild3: Am Hafen beim Fotografieren einer Möwe.
Bild4: Beim Versuch eine MMS an Julia mit einem Foto von Terje Vinterstø (Kaizers Orchestra) zu schicken. Mädchen machen sowas.

Auf der Suche nach Selma und dem Predigtstuhl

September 10th, 2006

[current music: Tomte - ich sang die ganze zeit von dir]

Hier und jetzt möchte ich meinen letzten Beitrag zum Norwegenurlaub, der von der Besteigung des Preikestolen, der Entdeckung einer neuen Wurmart und dem Verlust meines halben Zehennagels handelt, niederschreiben.
Wir durchfuhren Drammen (mal wieder), vorbei am Kongsberg Hundeklubb, durch die sagenumwobene Telemark und natürlich umkreisten wir auch den Seljord-See. Und den gleich zwei Mal. Einmal auf dem Hin- und einmal auf dem Rückweg. Und wieso dieser See? Deswegen: Ein Monster namens Selma haust angeblich darin. Ein Monster, das sogar schon Fischer angriff. Ein Monster, das – mag man den Augenzeugenberichten Glauben schenken – entweder einen Elch-, Pferde- oder Krokodilskopf besitzt! Ich, als kryptozoologiebegeistertertes Wesen, regte natürlich den Seebesuch an; zwar sahen sahen wir dort kein Monster, aber immerhin komische Vögel, die ich zu bestimmen leider nicht in der Lage bin (Wer Anderes vielleicht?).
Bei der Umrundung des Seljord-Sees fühlte ich mich ein wenig so wie ein FBI-Agent auf großer Jagd nach einem Untier. Eigentlich fehlte nur die heulende Sirene auf dem Autodach. Das Auto raste um den See herum. Es raste nicht wirklich, aber es kam einem so vor, weil die Straßen so kurvenreich und eng waren und einem dann alles schneller vorkam, als es eigentlich war. Aber man konnte sich gut vorstellen, man rast um den See herum, das Monster immer im Blick, vor uns fliehend und im Wasser auf- und abtauchend.
Auf dem Weg zum Lysefjord verloren wir dann noch den Handy- und Radioempfang. Es gab fast nichts mehr dort. Keine Bäume, keine Häuser, keine Menschen, keine Tankstellen, keine Elche und Rentiere. Nur noch Flechten, Moose, Sträucher, reißende Bäche, Wasserfälle und Kälte.

Die Besteigung des Preikestolen

Die ganze 12 km lange Wanderung (6 km hoch, 6 km runter) lang passiert nichts Besonderes; keine großen Stürze, keine Blutergüsse, Kratzer und Knochenbrüche. Nichts. Dabei hätte ich mir lieber etwas gebrochen, als dass die Kamera zu Schaden gekommen wäre. Aber immerhin habe ich den halben Zehennagel meines rechten kleinen Zehs irgendwo da oben verloren, aber weiß nicht mehr wo.
Einmal im Nebel habe ich erst gedacht, ich sehe ein Holzkreuz am Abgrund stehen, doch stellte sich das Gebilde lediglich als ein Wegweiser heraus, dabei hätte es mich wirklich nicht so sehr gewundert, wenn dort Kreuz an Kreuz gestanden hätte, denn gefährlich war es manchmal schon und Geländer oder andere Schutzvorrichtungen gab es nicht. Gut, ein Kreuz ist kein allzu vertrauenserweckendes Ding, aber schief kann beim Klettern und Wandern viel gehen. Ich frage mich manchmal, ob irgendwo irgendwelche Zahlen existieren, die besagen, wieviele Menschen schon willentlich oder auch nicht, bei dieser Wanderung verletzt wurden oder gar umkamen. Aber es gibt wohl keine derartigen Statistiken. Da verhält’s sich wohl wie mit den Kreuzen: Sowas lockt keine Besucher. Oder doch? Vielleicht erst recht.
Endlich auf dem Preikestolen angekommen, kann man nicht einmal auf den Lysefjord schauen vor lauter Nebel. Man kann da, 604 Meter unter einem, nur etwas erahnen und wenn die Sonne auf den Fjord scheint, dann funkelt es so schön und man weiß, wo der Fjord wohl ist.
Eigentlich bewundernswert, dass ich sowohl Auf- als auch Abstieg heil überstanden habe. Mit Adidasturnschuhen, Halsschmerzen, Reizhusten und einer Allergietablette im Körper, die mich sonst vor lauter Schläfrigkeit ans Bett fesseln würde.
Doch es sollte noch ein paar Turbulenzen auf dem Rückweg geben: Zum Beispiel habe ich meine Reisebegleitung verloren bzw. sie mich. Das passiert bestimmt öfters im starken Nebel und in 600 Meter Höhe. Jedenfalls machte es mir soviel nicht aus, denn eine neue Begleitung war schnell gefunden: Ein Riesenregenwurm. Zumindest sah das Ding so aus, als könnte es ein Tier sein. Mal davon abgesehen, dass ich keinen Kopf und keine Augen finden konnte, es nichts essen wollte, sich nicht bewegte und auch sonst keinen Laut von sich gab. Ist es womöglich doch kein Lebewesen? Aber was soll das sein? Ein Eingeweideteil eines anderen großen Tieres? Doch warum sollte das da so rumliegen, in einer Pfütze auf dem Preikestolen?
Nachdem ich das Ding eine halbe Stunde herumgetragen hatte, es immer noch nicht fitter war, weil sicherlich tot oder nie lebendig, setzte ich es wieder ab. Ich wollte es erst mitnehmen, war mir dann aber nicht sicher und konnte das Vorhaben auch nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Vielleicht war es das letzte seiner Art oder es lebt nur auf Steinen und in Pfützen, dann wäre es in meiner Reisetasche ja so gut nicht aufgehoben.


Weiß jemand, was das ist?

Aber zum Anfang zurück: Wie gesagt, die ganze Wanderung ist nicht viel passiert, doch auf den letzten 500 Metern zum Auto dann sank ich plötzlich knietief mit meinem rechten Bein (das war nicht der Glückstag meines rechten Beines und Fußes) in ein Sumpfloch oder so. Klasse. Immerhin konnte ich anschließend hemmungslos sämtliche Bäche samt Schuhen durchlaufen, denn der Modder musste ja wieder ab und nur ein nasser Schuh ist blöd.

Übrigens: Diese und mehr Bilder von Norwegen befinden sich auch hier.

Das macht was her.

September 8th, 2006

[current music: Moneybrother - what's the use in trying?]

Irgendwie hatte ich gestern das Gefühl, unsere Freunde wollten nach Hause, aber trauten sich nicht, uns alleine in der Disko zu lassen. Sie schauten so besorgt drein. Jedenfalls schienen sie sich nicht derartig an unseren Tänzen erfreuen zu können wie wir es taten. Wir bewegten uns nämlich ziemlich ausgelassen zu 90er-Jahre HipHop, hofften, dass kein schöner Mann mehr anwesend ist, und was die Anderen nicht wussten: Wir parodierten die dort tanzenden Leute abwechselnd und mit viel Engagement. Und das auch noch sehr gut, glaube ich. Gut, wenn man das nicht wusste, dann mag es vielleicht wirklich beängstigend ausgesehen haben.

Wenn die Schwester aus dem Urlaub zurück ist und das erste, was sie vom Land zu berichten weiß in spanien gabs 24 büchsen bier für 3,60 € ist, dann frage ich mich, ob dieses gesteigerte Interesse am Alkohol irgendwie in der Familie liegt und beginne an ihr (Schwester) zu zweifeln. Vielleicht sollte ich das mit dem Zweifeln lassen, gibt es doch schlimmere Dinge, die man tun kann, als Bierpreise zu vergleichen; zum Beispiel Löcher in der Hose tackern statt zu nähen oder einen ganzen Mozzarella pur essen und das auch noch gern. Oder ewig lange auf öffentlichen Toiletten verweilen, um Klosprüche abzuschreiben. Oder überhaupt auf der Toilette Zeitungen oder Bücher lesen. Oder gar lernen. Vielleicht gehört in diese Reihe sogar der Buslenkertanz, den wir gestern so tauften, weil wir die korrekte Bezeichnung nicht kennen. Das ist, wenn man ein wenig in die Knie geht und seine Arme nach vorn ausstreckt und kreisen lässt, eben als hätte man einen Buslenker vor sich. Damit lässt sich auf jeden Fall super zu HipHop tanzen. Das macht was her.

Was sehr verstörend ist: Wenn man gerade schön Internetstalking betreibt und gedankenverloren auf eine Myspace-Seite gerät und aus all den Gedanken gerissen wird, wenn urplötzlich die Musik losdonnert. So laut, dass man verzweifelt und zu Tode erschrocken, erst einmal nacheinander alle Browserfenster schließt, damit hoffentlich gleich wieder Ruhe einkehrt. Jedenfalls könnte ich jetzt das gesamte Haus und gleich noch die Nachbarn dazu befragen, ob man hört, dass Myspace was an der Qualität seiner Streams geändert hat.

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