sickgirl

Sowieso.

August 22nd, 2006

[current music: Iam Kloot - here for the world]

There’s nothing missing
You’ve got it all here

In 10 Stunden werde ich ganz woanders sein. Und in 10 Tagen wieder hier. Nur schade, dass ich nicht wirklich etwas habe, auf das ich mich hier freuen kann. Außer Julia natürlich. Und wenn ich ich ehrlich bin, gibt es da ja eigentlich noch mehr. Aber eben nicht das, auf das ich mich gern gefreut hätte, aber das ist eine andere Geschichte, die hier nicht rein gehört. Und gerade schon mal gar nicht.
Die Stimmung ist seltsam in diesen Tagen. Ich hoffe, in Norwegen ändert sich das, es lenkt ab. Ich hoffe, ich habe alles gesagt. Ansonsten gibt es ja noch die Postkarten, die ich mit lustigen (semi)norwegischen Sätzen versehen werde und an die schicke, die ich mag und deren Adresse ich hab.

Sowieso. Du weißt, was ich meine.

Wir bauen Eselsbrücken

August 20th, 2006

Früher konnte ich mir irgendwie nie merken, ob Günter Grass mit einem oder mit zwei s geschrieben wird, aber neuerdings ist das kein Problem mehr für mich.

the world is a pigsty

August 20th, 2006

[current music: The Ataris - the boys of summer]

Da wird mir ja fast schwindlig, wenn ich eine Weile zuschaue (Und besser nicht auf den unteren Bildrand achten. Das ist aber auch nicht meine Schuld. Wie das wieder aussieht…):

Während sich meine Mitbewohner bis acht Uhr morgens in der Küche betrinken und die ganze Zeit Blödsinn reden, bastele ich komische animierte Bilder, lege fest, dass wir am Freitag in Oslo auf ein Beezewax-Konzert gehen und bemitleide mich ein bisschen selbst.

Meine derzeitige (fragwürdige) Devise: Besser irgendeinen Eindruck hinterlassen – als gar keinen.

Ballangst / Raum der Zeit

August 18th, 2006

[current music: Rage Against The Machine - mic check]

Mein erstes Fußballspiel. Live dabei von Anfang bis Ende. Richtiger Lokalfußball. Mit schreienden Trainern, bellenden Schäferhunden, biertrinkenden Zuschauern, altklugen Kommentaren aus der etwas schütteren Fanriege, Schiedsrichter, die das Publikum anbrüllen, telefonierenden Linienrichtern und Fußballern, die per Nasenloch zuhalten auf den Rasen rotzen können.
Unsere größte Sorge beschränkte sich anfänglich darauf, was geschieht, wenn der Ball aus dem Feld auf uns zu rollt. Oder gar einen von uns am Kopf trifft! Was macht man dann mit dem Ball? Liegen lassen? Ignorieren? Anlauf nehmen und den Ball gekonnt und mit einer Menge Schwung ins Spielfeld rollen? Versuchen, dem Ball einen Tritt zu versetzen in der Hoffnung, dass er keine Absperrung trifft und boomerangmäßig zurückkehrt? Reinwerfen und womöglich nicht mal das Feld treffen oder so blöd werfen, dass alle schauen und mit dem Finger auf einen zeigen? Nun, man kann sich bei all den Sorgen sicherlich vorstellen, wie sich so ziemlich alles an einem verkrampfte, sobald die Spieler samt Ball den Bereich des Fußballfeldes erreichten, an dem man saß. Das, genau das, sind die Sorgen eines Menschen mit Ballangst, eines Menschen, der sonst keinem Fußballspiel beiwohnt. Und doch hat man sich dabei ertappt, wie ein wenig Freude aufkam, wenn die richtige Mannschaft, die man natürlich nur deshalb als richtig definiert, weil man den einen oder anderen Spieler kennt und weil die Mannschaft auch rein optisch unterlegener aussah und daher Sympathie ganz gut vertragen kann, ein Tor schoss. Glück hatten wir bis ans Ende: Kein Ball kam auch nur in unsere Nähe.

Und wo es gerade so ruhig ist, mein Kopf von gestern noch wehtut, fällt mir auf, das ist jetzt der erste Abend seit vielleicht drei Wochen, den ich ganz alleine verbringe. In meinem Zimmer mit Musik. Irgendwie seltsam.
Ich war in den letzten Wochen so sehr mit Feiern, Tanzen, Musik und anderen Menschen beschäftigt, dass ich wahrscheinlich nicht einmal gemerkt hätte, wenn in Frankreich ein Atomkraftwerk explodiert wäre. Soviel zu meiner aktuellen Bildung, was das Tagesgeschehen angeht. Dinge, die Leute seit zwei Wochen diskutieren, habe ich gestern erst mitbekommen. Es scheint fast, als schwebte ich in einer Blase ohne Zeit- und Raumgefühl – völlig isoliert von der Außenwelt. Ich wusste bisher gar nicht, dass das möglich ist. Und selbst wenn, das muss geändert werden.

Der hocherotische Skorpion

August 16th, 2006

Ihr südlicher Mondknoten ist im Steinbock. Sie werden einen hocherotischen Skorpion treffen und Spaß bei einer Sex-Siesta haben. So oder so ähnlich stand es in dieser Frauenzeitschrift zu meinem August-Horoskop. Ziemlich erschütternd, dass so etwas überhaupt verfasst wird. Und dann gibt es ja noch die Leute, die das lesen. So wie wir, die wir mit der fantastischen Idee, uns die Haare schneiden zu lassen, beim Frisör saßen und über zwei Stunden warten mussten bis eine unfreundliche Frisöse unsere Namen auf der Warteliste versuchte zu entziffern und aufrief. Es war Aktionstag: 10 Euro für Waschen und Schneiden. Nach 15 Minuten, inklusive Fönen, sah alles aus wie vorher – nur kürzer eben. Wunderbar.
Aber wer – verdammt – ist dieser hocherotische Skorpion? Doch nicht etwa der ältere Herr von gestern Abend, der nachdem sein Gerede und Gegrinse keine Reaktion unsererseits zur Folge hatte, auf den Fuß seines Barhockers stieg, sich auf die Theke stützte und seinen Hintern dezent in unserere Richtung streckte? Ich fand das eigentlich alles andere als hocherotisch. Es hat uns ja sogar dazu animiert auf die leere Tanzfläche zu stürmen – in der Hoffnung diesem Anblick zu entkommen. Und dass nicht, weil uns so heiß wurde.
Oder war der hocherotische Skorpion einer der drei Männer, die fremdes Bier in die Lokalität trugen, dieses runterschmissen, blöde Fragen stellten und denen wir Zigaretten verweigerten oder unfreundliche Geh weg!s entgegenschmetterten? Das waren so ungefähr die schlimmsten Männer, die je öffentlich Interesse an uns zeigten. Daher betraten wir erneut die Tanzfläche, wo unser gegenseitiges Ansingen seinen Höhepunkt mit Männer sind Schweine (Die Ärzte) erreichte. Wenn man so etwas in einem Tanzlokal spielt, das in wenigen Tagen geschlossen wird, bleiben immerhin keine Fragen mehr nach dem Grund der Schließung offen.

ich habe Besuch

August 15th, 2006

[current music: Louis XIV - pledge of allegiance]






Diese Leute.

August 12th, 2006

Das war mit Abstand die schlimmste Party, die ich je erleben durfte. Das mag vielleicht auch ein wenig an meinem desolaten Stimmungszustand gelegen haben – aber eben nicht nur.
Es begann alles ganz harmlos. Nein, es begann schon alles ganz schlimm. Sämtliche Züge hatten sich verspätet, aber immer nur so, dass ich die Anschlusszüge noch erreichen konnte. In Magdeburg angekommen wurde es seltsam. Diese Leute. Immer, wenn ich nicht mehr in Magdeburg und Umgebung bin, rede ich mir zwar ein, dass es so schlimm nicht ist; dass ich maßlos übertreibe; dass das alles auch ganz normale Menschen sind und die Gegend ja eigentlich ganz nett. Doch kaum in der Heimat angekommen, lässt sich die Hässlichkeit derselben nicht mehr leugnen. Und diese Leute. Was um alles in der Welt habe ich an mir, dass vier Leute, die mir im Zug gegenüber sitzen, mich abwechselnd anstarren? Sie gucken dabei auch nicht sonderlich freundlich. Auch nicht angewidert oder erschüttert. Sie gucken so, wie wahrscheinlich die Leute nach dem Fall der Mauer geschaut haben, als sie einen Farbigen oder eine Melone sahen. Oder ein Besuch im Zoo – daran erinnerte mich das ebenfalls. Wobei man im Zoo vielleicht sogar glücklicher schaut; die meisten Menschen zumindest.
Jedenfalls fing es da schon an. Doch die Party, die folgen sollte, war viel schlimmer als das. Der Mittelpunkt der Festivität war wohl das sich über dem Feuer drehende und bruzelnde Wildschwein. Kein schöner Anblick. Jedenfalls für einen Vegetarier. Meine Mutter fand das allerdings recht faszinierend. So faszinierend, dass sie das überaus spannende, sich drehende Geschehen auf ungefähr fünfzehn Fotos festhalten musste. Ich fragte mich nur die ganze Zeit, wie man freiwillig Jäger werden kann. Und wieso die Vorderbeine des Schweins so kurz sind.
Ansonsten habe ich EAVs Drei weiße Tauben an jenem Abend ungefähr fünfundzwanzig Mal gehört und dass obwohl ich zu den Gästen gehörte, die die Feier noch vor Mitternacht verließen. Es gab natürlich auch andere musikalische Einlagen: Die Jäger und ihre Hörner. Toll. Ich dachte, ich erleide einen Nervenzusammenbruch. Ich hoffte nur, dass das bald geschieht, bevor mir mein Schädel platzt. Ich wünschte mir einen raschen komatösen Zustand! Ich wollte nichts mehr sehen, nichts mehr hören! Einfach meine Ruhe. Meine Mutter bemerkte wohl meine üble Laune und versuchte mich aufzuheitern, indem sie mir Bilder verfaulter Beine ihrer Patienten zeige. Meine Tante sah mir vielleicht meine Langeweile an und belästigte mich mit absolut blöden, nicht sonderlich witzigen Gedichten aus dem Internet, die ich vor einer Meute besoffener Jäger vortragen sollte, was ich natürlich nicht tat. Ich hätte nicht mal was vorgetragen, wenn es von Brecht gewesen wäre! Ich hätte überhaupt nix vorgetragen! Ich hasse Vorträge! Und nein, ich habe auch keine Lust darauf, herumzulaufen und betrunkene, singende und pöbelnde Männer zu fragen, ob ich ihnen noch etwas zu trinken bringen darf. Nein, Nein. Aber ja: Immer das Beste draus machen! Habe ich und mich an den See gesetzt, Radler getrunken und Fische mit Brötchenklumpen gefüttert – oder zumindest versucht. Doch selbst die Fische trauten sich nicht an die Wasseroberfläche. Man kann sich vorstellen, dass das Füttern der Tiere somit nicht allzu befriedigend war. Eine andere Aufgabe musste her: Mich im asozialen Verhalten üben und ein paar Getränke heimlich im Auto meines Vaters bunkern. Ein bisschen Sekt, ein bisschen Wein und was es sonst noch so gab. Auch eine Flasche Ketschup. Sogar Knoblauchsauce. Das kann man dort, wohin ich morgen wieder fahren werde, gebrauchen: Marburg. Endlich.

highschool stalker

August 9th, 2006

[current music: Die Raketen - ruf an]

Mittlerweile dreht sich nicht mehr alles. Die Frustration nimmt trotzdem kein Ende. Ich komme mir vor wie Bridget Jones oder wahlweise wie ein Stalker. Und nein, das ist ganz und gar nicht sympathisch.
Was denkt sich mein Hausarzt eigentlich dabei, in seinem Wartezimmer Stühle aufzustellen, die schaukeln, wenn man sich auf ihnen setzt? Sonst stört mich das ja nicht so. Bin ja nicht empfindlich. Aber heute. Heute war mir nicht wohl dabei. Dieses Geschaukele tat meinem Magen gar nicht gut. Und deshalb ging alles ganz schnell. Ich habe diesen Vertrag zur hausarztzentrierten Versorgung unterschrieben und bin rasch wieder raus. Und rein in die Sprechstunde zur Zwischenprüfung. Man hätte sich vorher vielleicht mal zum Zwischenprüfungsthema informieren sollen – dann hätte ich jetzt nicht so ein blödes Thema am Hals: Früh- und Spätwerk des betreffenden Künstlers. Etwas Besseres ist mir so spontan nicht eingefallen, denn ich kenne ja den Künstler kaum. Und ein Früh- und Spätwerk hat ja jeder. Was ein Glück.
Und nochmal: Ich frag mich wirklich, wieso man so Schaukelstühle in eine Praxis stellen muss. Das ist ekelhaft. Wer zum Arzt geht, dem geht es normalerweise nicht so gut. Und vielen ist bestimmt auch übel und schwindlig. Da sind so Stühle unangebracht. Wollt ich nur mal anmerken.

über die zukunft

August 6th, 2006

[current music: Days in Grief - pledge allegiance to demons inside] (Mein neues Lieblingslied.)

Die Ferien werfen ihre Schatten. Auf uns. Es wird viel zu viel getrunken, weil man ja sonst nichts machen kann und irgendwie verzweifelt ist. Wo soll man auch hin, was soll man auch tun? Also schleicht man von Tanzlokalität zu Tanzlokalität, lauscht der nach außen dringenden Musik, befindet diese für ekelhaft, schaut durch Fenster, deutet das Gesehene als Gays&Friends-Party und geht weiter. Und dass die Lokalitäten teilweise auch noch geschlossen sind (an einem Samstag!), kann auch nur in Marburg passieren. Ich will hier raus.
Aus unserer inneren Zerissenheit heraus – man kann’s auch Langeweile und/oder Übermut nennen -, entwickeln wir fantastische Zukunftspläne, bei denen Andere manchmal die Köpfe schütteln.
Nach unserer Zwischenprüfung werden wir zur Feier des Tages Bierhelme aufsetzen. Ja, ganz recht. Das sind diese Dinger mit den Bierdosen links und rechts und den Schläuchen zum Mund. Mit diesen besagten Helmen und Bollerwagen (das sagt man in Hessen so) im Schlepptau werden wir eine Reise zum Marburger Spiegelslustturm antreten, den wir dann erklimmen. Diese Besteigung des Turms ist – der Legende nach – nämlich erst nach bestandener Zwischenprüfung erlaubt. Das wird einem in jeder Orientierungseinheit eingetrichtert. Und dann, nach unserer Zwischenprüfung, ist es soweit: Wir dürfen auf den Turm! Ohne schlechtes Gewissen! Eigentlich bin ich ja nicht abergläubig, aber gutheißen kann ich es auch nicht, wenn meine Kunstgeschichte-Prüfung am Freitag, den 13. stattfindet.
Weitere Pläne unsererseits laufen darauf hinaus, dass wir nach dem Studium eine eigene Kneipe eröffnen möchten. Eigentlich sollte das zuerst in Marburg geschehen, aber ich bin jetzt dagegen. Ich will hier nicht ewig bleiben. Diese Stadt tut mir nicht gut. Und ich bin mir sicher, manch Anderem auch nicht. Die besagte Schankstube (Was ein Wort!) soll den Namen Bierrutsche tragen. Von und mit Julia und Doreen. Es soll ein riesiges Franchise-Unternehmen werden. In Deutschland, Holland, Österreich – eigentlich überall. Die Leute werden allerorten sagen: Komm, lass uns mal wieder in die Rutsche gehen! Unsere Fensterscheiben werden wir mit Sprüchen wie Hier auch Bier vor Vier! versehen und es wird Bierfrühstück geben. So wird es kommen. Wenn wir hier bleiben. Wenn wir so weiter machen. Aber vielleicht wird das ja ganz lustig. Ich habe mich gestern schon wie auf einer Ü-30-Party gefühlt. Also nicht gut.

So Musik spielt man in Marburg nicht.

August 4th, 2006

[current music: The Subways - with you]

Ich dachte ja, langsam reichts mit den The-Bands, aber The Subways sind schon verdammt gut. So gut, dass ich meinen Abend damit verbringen könnte, diese laut zu hören, mein Zimmer vollzuräuchern, komische Bewegungen – durch die Musik animiert – zu vollführen und mitzugrölen. Wenn man sonst nix zu tun hat, ist das in Ordnung, denke ich.

Doch der Abend war seltsam gestern. Die Lokalität viel zu voll. Zeitweise stiegen einem die widerwärtigsten Gerüche in die Nase und die Musik nervte irgendwie auch. Ich will kein Franz Ferdinand mehr hören. Zumindest nicht fünf Mal am Abend. Langsam ist doch mal gut. Und ich finde auch nicht, lieber DJ, dass Billy Talent zu hart sind.
Nach einem Gespräch über gute Musik jenseits von Franz Ferdinand, kamen der schöne Emo-Mann und ich zu dem Entschluss: So Musik spielt man in Marburg nicht. Also haben wir die Lokalität früh wie nie (zumindest für mich früh wie nie, ihn kenne ich ja nicht) verlassen, um roten Korn zu trinken.

Ansonsten sammele ich gerade Informationen über die Tierwelt Norwegens, mache mir Sorgen, dass ein Elch über unser Zelt stolpern könnte oder dass der Gaskocher explodiert. Und diese Trolle machen mir ein bisschen Angst, aber das müssen sie ja gar nicht. Ich glaube fast, ich habe ein paar zu viele Filme gesehen, in denen sich irgendwelche Teenager in einsamen Wäldern verlaufen und von Männern in Karohemden aufgeschlitzt werden, um mir keine Gedanken über den Norwegenurlaub zu machen.
Ich sehe uns schon mit vollgepackten, riesigen Rucksäcken durch Wälder stapfen und mit Stöcken Fische in Fjorde fangen – aber ich esse ja gar keinen Fisch. Dann eben wie ich – ganz in Teenie-Horrorfilm-Manier – anfange hysterisch zu kreischen, weil wir unfähig sind die Karte zu lesen und immer im Kreis laufen. Oder komische, unheimliche Geräuche, die Nachts ins Zelt dringen. Und morgens finden wir dann abgetrennte Gliedmaßen um unseren Schlafplatz verteilt. Wir sollten auf jeden Fall eine Videokamera mitnehmen. Trolle und Bären filmen oder so.

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