it was only love
Mai 21st, 2006
Mein momentanes Lieblingslied: The Cribs – it was only love
Woge der Begeisterung, mein Antrieb und Schwung
Mai 18th, 2006[current music: Jens Lekman - you are the light]
Gestern geschah es. Ganz ohne dass ich es erwartet hätte. Meine Leidenschaft für die ältere deutsche Literatur ist entfacht! Es mag an der Vorlesung gelesen haben. Eine Vorlesung, die so spannend wie der spannendste Kinofilm ist und in der der Dozent althochdeutsche Texte vorträgt, die so fremd, so wunderschön klingen. Einst gehasst, nun geliebt. Alle sollen davon erfahren! Auch sie sollen begeistert sein! Doch leider stoße ich bei meinen Missionierungsbestrebungen viel zu schnell auf Widerstand. Bisweilen schauen Gesprächspartner desinteressiert in die Luft, wechseln unglaublich schnell das Thema oder beginnen von der neuen Ricarda M.-Kollektion zu schwärmen. Doch wem kann mans verdenken, wem kann man diese Unaufmerksamkeit schon übel nehmen, wenn ich stundenlang mit Namen wie Hildebrand, Hadubrand und Heribrand – um nur drei zu nennen – um mich werfe.
Würde ich all meinen Begeisterungsstürmen die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdient hätten – gemessen an der Intensität der Begeisterung -, dann würde ich womöglich schon fünf Mal mein Studium und mindestens elf Mal die Fachrichtung gewechselt haben.
Mit diesem plötzlichen Interesse am Alt- und Mittelhochdeutschen, wo ich das doch vorher drei Semester lang verabscheute, sehe ich mich in Zukunft schon mit Dingen agieren, von denen ich momentan eher Abstand nehme: Ich werde autofahrend durch Marburg cruisen, Zirkusvorstellungen besuchen, Mathe- und Physikbücher studieren, auf Spanisch philosophieren, Babysitten, Tiere essen und währenddessen riesige Creolen tragen und meine Hose in die Stiefel stopfen. Alles ist möglich.
alles ist fremd
Mai 16th, 2006[current music: Whitney Houston - always love you (Schallt es durch die Oberstadt. Es gibt ja wirklich schöneres.)]
Das alles erscheint so fremd. Falsch: Alles ist fremd, denn hier bin ich noch nie gewesen. So viele Leute und jeder für sich. Schauen sich nicht um, nehmen nicht wahr. Verrichten ihre jeweilige Tätigkeit, als wären sie zu nichts anderem bestimmt. So viele Leute, die mich nicht wahrnehmen, trotzdem ich mit beachtlicher Geschwindigkeit die Treppen rauf und runter rase, Türen aufreiße und manchmal voll Verwunderung stehen bleibe, um die Räumlichkeiten zu bestaunen. Alles so riesig, so unterschiedlich von Raum zu Raum und immer neue Zimmer, in denen ich noch nicht war. Dieses Haus scheint kein Ende zu haben. Dieses Haus scheint sich stetig zu verändern.
Und ich bin auf der Flucht. Ich habe Angst. Davor, dass er hinter mir her ist, er sich besser auskennt hier.
Und dann – dann steht er plötzlich vor mir. Eine Spritze in der Hand. Ich weiß sogleich, diese Spritze lässt mich werden wie diese Menschen. Ich werfe mit Steinen, Sand, Papier, Holz, Kreide, Schuhen, mit allem, was mir in den Weg kommt; Flüssigkeit tropft aus der Spritze, mir auf die Haut. Einen Moment lang überlege ich, ob ich nicht aufgeben sollte. Ich überlege, aufzugeben. Doch dann geht er zu Boden, scheint zu zerlaufen, sich aufzulösen.

Derartige Träume habe ich in letzter Zeit ständig. Immer werde ich verfolgt, verlaufe mich in riesigen Häusern oder bin mit nicht funktionierenden Schlössern und Schlüsseln konfrontiert.
Irgendwie bin ich nicht fähig, während des Traumes zu realisieren, dass ich träume, um dann – so wie bei Galileo oder Welt der Wunder vorgeschlagen wurde – in das Traumgeschehen einzugreifen. Ganz im Gegenteil: Mir passiert es bisweilen sogar, dass ich Träume für real halte und entsetzt bin, wie plötzlich alles aus den Fugen gerät; wie komische Wesen in der Dusche stehen, Leute sich nicht wecken lassen, das Licht nicht funktioniert und keiner meine Schreie wahrnimmt.
Die verkauften Pflastersteine
Mai 14th, 2006
Ich fühle mich zum Narren gehalten, wenn ich meine Ausgabe von Die verkauften Pflastersteine. Dresdener Tagebuch aufschlage, Thomas Rosenlöcher mich von Seite 3 hämisch angrinst und mir sagen zu wollen scheint: Hehehe, jetzt musst du noch ein Buch von mir lesen, du Arme. Und dir werden wieder alle zehn Seiten die Augen zufallen, weil ich so schön nüchtern – ja, fast im Telegrammstil – schreiben kann und eigentlich gar nicht so viele neue Dinge zu berichten habe. Das kennst du alles schon, ich weiß. Doch dieses Mal wandere ich nicht durch den Harz, nein; dieses Mal führe ich Tagebuch in Dresden und werde vielleicht sogar wieder kundtun, dass Chlorodont jetzt Blendax heißt und die Ruhlataschenuhr von den zeigerlosen Leuchtschriftuhren der digitalen, westlichen Welt längst überholt wurden; aber lass dich überraschen! Du wirst einen tollen, abwechslungsreichen Nachmittag haben!
Ach, wahrscheinlich bin ich nur gerade etwas verwöhnt was Wendeliteratur angeht – dank Thomas Brussigs Helden wie wir, denn noch nie habe ich etwas gelesen, das lustiger war.
Sex-Skandal im Live-Journal
Mai 11th, 2006

Es gibt sogar einen, wahrscheinlich sogar hunderte oder tausende. Zugegeben, selbst ich habe erst auf den zweiten oder dritten Blick erkannt, dass das nicht ich bin. Im ersten Moment war ich der Überzeugung, irgendwer hätte meinen Kopf auf einen fremden, nackten Körper montiert, doch dann begriff ich: Das bin ja gar nicht ich, das ist eine gewisse Roxy! Aber wenn ich uns schon verwechsele, was machen dann erst all die anderen Leute, die zufällig Nacktfotos von Roxy finden und Roxy nicht kennen, aber mich?
Vielleicht sollte ich Niels’ seltsamer These, dass jeder Mensch auf dieser Erde mindestens einen Doppelgänger hat, langsam Glauben schenken. Immerhin bin ich ja nicht die einzige Person, die einem anderen Menschen verdammt ähnlich sieht – bis hin zur akuten Verwechslungsgefahr. Mir fällt da gleich als Beispiel J. ein. Der gleicht nämlich einem anderen Jungen an unserer Uni derart, dass nicht nur ich bisher auf die Idee gekommen bin, diesen Fremden zu grüßen. Lange wird es nicht mehr dauern und er grüßt zurück (und fragt sich, woher er denn aufeinmal so viele Leute kennt).
Übrigens verwechsele ich liebend gern Kevin Costner und Mel Gibson. Oder Johannes B. Kerner, Jörg Pilawa und Oliver Geißen.
Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich jetzt schon auf der Nacktseite dieser Roxy war; immer wieder fasziniert und irritiert von dem Ganzen. Und immer wieder frage ich mich, wie das sein kann. Am wahrscheinlichsten ist wohl der Zufall; ansonsten fällt mir nur noch ein, dass meine Mutter nicht nur mich, sondern gleich Zwillinge bekam und eines davon weggegeben hat. Ich meine, es war in der DDR und sie (noch) nicht verheiratet. Wer weiß schon, welche Verhältnisse damals herrschten und wie das mit den gesellschaftlichen Konventionen, dem Glauben und so war (Das erinnert mich gerade an den gestrigen Kinofilm Silent Hill, der übrigens klasse ist!) und vielleicht war ein Kind noch vertretbar, aber zwei dann nicht mehr unter diesen Umständen. Ach, das klingt alles nicht so plausibel.
Und jetzt bitte keine E-Mails mehr, in denen ich demjenigen dann doch ganz im Geheimen mitteilen soll, dass ich das auf den Fotos eigentlich ja doch bin. Tut mir Leid, manch einen Herren enttäuscht zu haben, aber ich denke, man wird drüber hinweg kommen. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, die wohl ins Haus stehenden Studiengebühren auf andere Weise zu finanzieren als Roxy.
herrlich
Mai 9th, 2006Ach, ist das herrlich nach einem langen, arbeits- und unireichen Tag nach Hause zu kommen und sein Abendessen, auf das man sich schon seit vielen Stunden gefreut hat, da der Apfel heute morgen nicht wirklich lange vorgehalten hat, in den Müll schmeißen zu können, weil irgendein trotteliger Mitbewohner mal wieder den Kühlschrank auf höchste Stufe gestellt hat (wohl damit’s Bier ja richtig kalt ist!). Schade nur, wenn man sonst nichts mehr zu Essen hier hat – bis auf eine Tasse Gemüsesuppe, die neben mir steht, einen widerwärtigen Geruch absondert und deren Konsistenz am Besten als dickflüssig und mehlig zu beschreiben ist. Und schmecken tut sie natürlich auch nicht.
Peter
Mai 6th, 2006Spurensuche
Mai 5th, 2006Der Abend gestern hat seine Spuren hinterlassen. Seltsamerweise, muss ich sagen, denn getrunken haben wir gar nicht so viel. Außerdem hatten wir eine Menge frische Luft, Grün und Mücken um uns herum und kurzzeitig, unter Ausschluss der frischen Luft, dem Grün und den Mücken, auch gute Musik, zu der wir uns – so gut es eben noch ging – bewegten. Wir nickten mit den Köpfen und knickten abwechselnd die Beine ein, um so eine Art Tanz zu imitieren, denn viel mehr Bewegung war nicht möglich, ohne jemanden unsanft zu berühren und das wollten wir natürlich nicht. Also nix mit exzentrischen Ausfallschritten, bizarren Sprüngen und flotten Drehungen.
Langsam wurde aus der guten Musik dann Sprechgesang, das Radler schmeckte nicht mehr und der Raum um mich herum begann sich zu drehen. Als dann mein Umfeld für meinen Geschmack etwas zu lang und zu schnell rotierte, musste ich leider das Lokal verlassen und den Heimweg antreten, der sich elendig in die Länge zog. Doch habe ich angeblich die Zeit vertrieben, indem ich telefonierte und unvermittelt das Gespräch beendete. Ich meine, Zeit war ja genug da, aber bestätigen kann ich das jetzt nicht mit dem Telefonat. Ich tue das mal lieber als Hirngespinst eines Verschlafenen ab, den ich allerhöchstens mit zwei, drei, vier oder fünf SMS geweckt haben könnte.
Heute ist dementsprechend auch noch nicht viel passiert. Ich habe Reue gezeigt, versucht lange zu schlafen, um 11 Uhr den Paketboten im Nachthemd empfangen und mich wieder hingelegt – die Welt um mich herum hat sich immer noch gedreht.






