vergiss mein nicht
Dezember 30th, 2005[current music: Ash - orpheus]
“Ein schrecklicher Abend in Heartsdale, Georgia: Auf einem Parkplatz droht eine Dreizehnjährige einen Mitschüler abzuknallen. Vergeblich versucht der Polizeichef, die Situation zu entschärfen – das Mädchen muss erschossen werden, um das Schlimmste zu verhindern. Die ganze Stadt fragt sich ratlos, was die eher unscheinbare Schülerin in eine entschlossene Mörderin verwandelt hat. Da macht Pathologin Sara Linton bei der Obduktion des Kindes eine Entdeckung, sie schockierender ist als alles, was sie bis dahin gesehen hat…”
Ja, das ist der Klappentext dieses Buches. Da ist wohl meine Fantasie mit mir durchgegangen, als ich nach Lesen dieser Kurzbeschreibung diesen Weltbestseller (es prangte tatsächlich ein Aufkleber mit ebendieser Aufschrift auf dem Buch) unbedingt haben musste, denn ich wollte ja rausfinden, was die Pathologin denn so Außergewöhnliches entdeckt hat. Den Rest des Textes habe ich gar nicht so richtig registriert und nicht einmal die Verwendung des Wortes abzuknallen hielt mich vom Kauf ab. Aber immerhin hat es mich irritiert.
Warum dieses Buch ein Weltbestseller ist, bleibt mir irgendwie verborgen. Ich bin wohl nicht die einzige, die der Klappentext gefiel. Und so hochspannend, wie ich in den Amazon-Rezensionen nachlesen konnte, fand ich es jetzt eigentlich auch nicht. Es war nicht langweilig, aber auch nicht sonderlich mitreißend. Eher klischeebeladen und wenn man erstmal herausgefunden hat, worum es eigentlich geht in diesem Thriller, überrascht ein sowieso kaum noch was.
Fazit: Ich fand das Ganze jetzt nicht so fesselnd. Es ist okay, aber mehr auch nicht.
too much rain
Dezember 29th, 2005Bettmensch
Dezember 29th, 2005[current music: Element of Crime - delmenhorst] ♥
Als ich sie das letzte Mal sah, war ihr Haar noch dunkel. Keiner weiß, ob sie hört, ob sie wahrnimmt. Ich schäme mich für ihn, weil er sie nicht sehen will; ihm nichts daran zu liegen scheint. Ich schäme mich für sie, die in Anwesenheit der Bettlägrigen, von der man nicht weiß, ob sie hört, ob sie wahrnimmt, Bemerkungen über deren vermeintlichen Geisteszustand macht.
Und ich tue es ihr gleich. Frage jemanden, ob sie denn sprechen könne.
Kein einziges Wort bringe ich ihr gegenüber hervor. Nicht eines.
Das schönste dort: Das Bild auf dem Schrank neben dem Bett. Ein Bild auf dem sie noch dunkles Haar hat, auf dem sie ganz verdutzt schaut. Über acht Jahre ist das jetzt her.
oh what a lovely time
Dezember 28th, 2005[current music: The Crash - empty]
Seit gestern Abend bin ich wieder in Marburg mit einem Bücherregal und einer Menge bescheuerter Träume mehr. Wenn es spannend und stimmungsvoll wäre, würde ich jetzt aus meinen Träumen der letzten Nacht Blogeinträge machen. Jedoch zu träumen, man fühle sich wie eine 1599, also fast richtig gut – wie eine 1600, ist schon reichlich seltsam. Vielleicht nicht ganz falsch, aber doch befremdlich.
Ansonsten ist alles beim Alten: Entweder fragt man mich, ob ich betrunken sei oder man sagt etwas wie: Aus dir werde ich nicht schlau. Ich verstehe dich nicht.
Ich verstehe auch so manches nicht. Und am wenigsten mich. Doch hatte ich in den letzten Tagen zum ersten Mal das Gefühl jemanden so richtig zu hassen. Es geht also doch. Aber auch nur kurz, denn ich verzeihe viel zu schnell. Ist schon wieder alles vergessen. Schade eigentlich. Nicht in dem Fall, aber generell.
Beim Weihnachtsessen war sich die ganze Familie wieder einig: Wie gut es doch ist, dass die Tierschützer bewirkt haben, dass bei den Schliefanlagen jetzt endlich ein Gitter zwischen Jagdhund und Fuchs ist. Das war aber auch schlimm für den Hund; der sah nach der Aktion immer ganz zerfetzt aus. Traurig, ja.
Ich bin froh wieder in Marburg zu sein.
in meinen Träumen
Dezember 14th, 2005
Ich kenne diesen Ort. Wir sind hier schon einmal entlang gegangen. Damals, als wir Pilze suchen wollten. Wieder eine dieser dummen Aktionen. Nicht einen Pilz haben wir gefunden, aber uns durch Schlamm und Kuhmist gekämpft. Und dann noch das plötzliche Gewitter. Wir dachten, es geht schnell vorüber. Das tat es nicht und wir fürchteten uns. Es wurde immer schlimmer, wir immer nasser; mussten nach Hause. Ohne auch nur einen Pilz. Nur nass und dreckig.
Heute Nacht waren wir wieder an diesem Ort. Ganz allein. Wir zwei. Ich träume oft von dir in letzter Zeit. Du bist dann in Gefahr – genau wie ich, die dich zu schützen versucht. Verstecke dich hinter schmutzigen Getreidesäcken. Nur das ist wichtig. So wird er dich nicht finden.
An diesem Ort – da waren fremde Wesen. Wesen, die nichts Gutes wollten. Sie wollten uns. Wir liefen zwischen den riesigen Hallen umher, schlossen Tore, verbarrikadierten Türen, versteckten uns im Haus. In unserem Haus, in dem wir uns immer verstecken. In meinen Träumen.
identitätskrise
Dezember 3rd, 2005[current music: The Doors - the end]
Den ganzen Tag schon denke ich, heute sei Freitag. Mein Praktikum bei literaturkritik.de nimmt mir meinen freien Freitag und meine zeitliche Orientierung. Aber nicht schlimm. So bin ich wenigstens beschäftigt mit Sachen, die ganz angenehm sind.
Ansonsten ist das alles ein Auf-und-ab. Ein Hin-und-her. Man kann sich mal wieder nicht entscheiden, verwirrt sich und andere. Die benehmen sich aber auch alle komisch hier.
Nach ein paar Flaschen Wein kommen einem die alten Zeiten in den Sinn. Die Musik von damals. Wir hatten eine Beschäftigung, ein Ziel, unseren Spaß und waren unvernünftig.
Unvernünftig bin ich noch heute, aber anders. Das Gefühl des Zusammenhalts ist weg, der gemeinsamen Ideale und die Leute von damals sind heute zu jung.
Alle paar Monate wird wieder daran gedacht, die Stiefel von damals rauszukramen oder meiner Schwester meine alten T-Shirts wieder abzunehmen. Doch dabei bleibt es auch. Wenn ich dann die sehe, die heute so sind, wie wir damals, weiß ich, dass es nie mehr so sein wird.
Ob wohl jemals die Zeit kommt, in der ich mich dafür schäme, wie wir damals waren? Für meine in der 5. Klasse getragene silberne Hose aus zeltähnlichem Stoff, nur leider nicht so weit wie ein Zelt, für meine karierten Holzfällerhemden und meiner Leidenschaft für die Techno Musik der Schlümpfe (unbedingt mal reinhören! Anspieltipp: Captain Schlumpf) schäme ich mich heute schon mal. Ein bisschen zumindest. Aber für alles was folgt, noch nicht.
Achtung! Schon wieder ein Film, den die Welt nicht braucht: Shouf Shouf Habibi!






