current music
August 31st, 2005das Leben kann’s einem auch nicht recht machen
August 27th, 2005[current music: Air - empty house]
Sich daran erinnern, wie sie auf eine Scheibe Brot, dick mit Quark bestrichen, biss und jener durch die Zähne hervorquoll, trotzdem sonst nie gravierende Zahnlücken zu sehen waren. Genau den Moment zwischen dem Verdecken der Zähne und des Quarks durch die Lippen und dem endgültigen Abbeißen des Brotstückchens in Erinnerung behalten.
Diesen unbedeutenden Moment.
Manchmal verbindet man ganz komische, unbedeutende Momente mit Menschen, mit denen man eigentlich bedeutungsvollere Dinge verbinden sollte, denn sie waren doch viel mehr als das. Sie waren alles. Dann waren sie weg. Und nichts war mehr wie vorher. Man wollte auch gar nicht mehr an sie denken, denn das macht ja doch nur traurig. Auch nach Jahren noch. Aber man kommt manchmal nicht drum herum.
An das Essentielle kann man sich nicht mehr erinnern. Es ist wie ausgelöscht. Nur manchmal bricht ein Stück aus dem Klumpen des vermeintlich Vergessenen heraus und kehrt an die Oberfläche zurück.
Kann man sich nicht erinnern, bedauert man es. Kehrt es zurück, verflucht man es.
Es ist wie immer im Leben. Verkündet man, seine Ruhe haben zu wollen und man wird in Ruhe gelassen, ist man gekränkt. Wird man nicht in Ruhe gelassen, ist es auch falsch.
Das erinnert mich jetzt wiederum an ein Zitat aus Trainspotting:
Haste keine Kohle, kannste dich nicht besaufen. Haste Kohle, säufste zu viel.
Haste keine Braut, kannste keine Nummer schieben. Haste ne Braut, gibt’s nur Stress.
Egal, was passiert, es ist ja doch nicht recht.
sommer
August 19th, 2005[current music: Placebo - without you I'm nothing]
Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber ich wünsche mir die Sonne wieder weg. Es soll regnen und ein bisschen warm sein. Das reicht. Frieren tu ich ja sowieso. Ob nun Sonne oder Regen. Aber wenn es regnet, dann muss ich nicht niesen, nicht den halben Tag an Taschentüchern rumfummeln.
Da fällt mir ein, ich wollte deswegen ja mal zum Arzt. Tja.
Mir fällt jeden Tag irgendetwas ein, dass ich vergessen oder verdrängt habe.
Dafür war es gestern abend schön, auch wenn ich mich womöglich blamiert habe und Promiskuität auf tänzerischer Ebene übte; und das zu schäbiger Musik.
Weniger Schlaf und Alkohol, dafür mehr Schamgefühl. Das wäre doch mal ein Anfang.
Es sind ja Ferien..
without you I’m nothing
August 18th, 2005[current music: Placebo - black-eyed]
Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Drum kann ich auch nichts erzählen. Im Bett und unter der Dusche erlebt man nicht viel. Wer hätte das gedacht. Und das, was ich denke, das kann ich auch nicht in Worte fassen, weil ich es selber nicht verstehe. Und dieses dumme Gefühl vermag ich auch nicht zu beschreiben.
Ich weiß nur, das alles endet in einem Desaster. Irgendwann.
Solange sind mir die Hände gebunden. Glaube ich. Oder bilde ich mir ein.

leave
August 12th, 2005plümschen
August 11th, 2005weder das noch das
August 10th, 2005[current music: Fön - lange leitung]
Kaum sitze ich zehn Minuten an der Hausarbeit, überfliegt mich ein Anfall plötzlicher Müdigkeit. Aber das ist okay, ich bin ja schon ganze drei Stunden wach. Fast.
Und da fällt mir ein, wieso ich gestern so schnell aufgegeben habe, als ich doch gerade erst angefangen hatte die Hausarbeit zu schreiben. Ich fand den Zettel nicht mehr. Den Zettel mit all den lebenswichtigen Informationen. Wieviele Seiten es werden sollen, das mit den Fußnoten, was in die Arbeit soll, nicht rein soll, Sprechstundentermine etc. – das alles stand auf dem Zettel; umrahmt durch blöde Zeichnungen von ihr und mir. Diese wichtigen Informationen, die in irgendeinem Block liegen. Ein Block, den ich nicht mehr finde, weil ich mindestens zwei Mal in den letzten Wochen hier hektisch angefangen habe aufzuräumen, um den Besuch nicht zu schockieren. Dabei muss ich ihn verlegt, versteckt oder entsorgt haben.
Dabei war ich vorhin noch so motiviert. Die neuen Bücher sind gekommen. Zwei davon ganz hilfreich für die Hausarbeit und auch sonst interessant. Und dann die Angst, dass man mich daran erinnern könnte, dass wir heute eigentlich die Küche rot streichen wollten. Und dann das mit der Müdigkeit.
Weder Küche noch Hausarbeit.
Ich mache mir mal einen Kaffee – falls wir so etwas besitzen – und schaue, was passiert.
Edit 13:48 Uhr: Keinen Kaffee. Wir streichen jetzt die Küche. Ich habe sie gerade leer geräumt. Es gibt kein Zurück mehr.
orion
August 9th, 2005[current music: Radiohead - you and whose army?]
Ich schaue aus dem Fenster, meine Hände tun weh. Die eine vom Festhalten am Haltegriff, der für meine Körpergröße viel zu hoch hängt, die andere, weil sie einen neuen Mülleimer umschlingt, der viel zu voluminös für meine Armlänge ist. Aber der neue Mülleimer ist gut. Ein wenig hässlich, aber gut. Er war der günstigste und der hässlichste. Und der einzige mit Schwung, wenn man auf die kleine Stufe tritt. Nur die Blumen auf ihm sind schrecklich. Und die kleine Delle, die er jetzt im Deckel hat.
Ich schaue aus dem Fenster und sehe einen Mann in einem Auto neben dem Bus. Er ist damit beschäftigt sein Orion-Magazin in den Händen zu halten. Er kann sich nicht entscheiden, ob er es so hoch halten soll, dass ich und jeder andere es sehen kann, oder nicht. Er nimmt es hoch, er nimmt es runter und er schaut hoch zum Bus, aus dem ich ihn anschaue. Ihn und sein Magazin. Sein Magazin, auf das er stolz zu sein scheint. Das erinnert mich an den kleinen Jungen. An den Jungen auf dem Boden des Baumarktes. Er wälzte sich mit seinem kleinen Gefährt auf dem Boden und versperrte mir und jedem anderen den Weg.
Ich drehe mich um, sehe Jungs mit weiten Hosen im Bus rauchen, einen Mitstudenten rumschreien und ein Mädchen genüsslich in der Nase bohren.
Die Frau auf dem Klappstuhl im Bus neben mir sagt zu allen: es stinkt. Dann sagt sie mir etwas und steht auf. Ich verstehe nicht und sage: danke.
Manchmal komme ich mir ein bisschen verloren vor.
my life has become a hangover without end
August 8th, 2005
Wenn man orthographische Fehler in einem Buch entdeckt und man macht den Verlag mittels E-Mail oder sonstwie darauf aufmerksam, erinnert das irgendwie an das Verhalten einiger Rentner, die mit ihrer Zeit nichts besseres anzufangen wissen, als sich den ganzen Tag aus dem Fenster zu lehnen und Falschparker bei der Polizei zu melden, oder? Und wahrscheinlich interessiert es den Verlag eh nicht.
Und wo ich gerade beim Thema Bücher bin… Also Die Klavierspielerin ließ ich mir ja noch gefallen und führte es mir sogar freiwillig zu Gemüte, aber Lust nervt mich schon seit 40 Seiten und das, wo ich doch gerade mal auf Seite 60 angekommen bin. Ohne Zweifel kann Frau Jelinek wunderbar schreiben und interessante Verknüpfungen schaffen, aber bisher besteht das Buch aus einer endlosen Wiederholung von sexuellen Aktivitäten eines Mannes, denen sich seine Frau widerstandslos hingibt. Da bleibt mir nur zu hoffen. Hoffen auf Handlung und weniger Eindimensionalität. Und wenn das nix wird, so muss ich es trotzdem lesen. Überhaupt habe ich mir ja geschworen – das ist nun schon eine Weile her und bisher eingehalten worden – Bücher zu Ende zu lesen. Das in ihnen suchen, was sie ausmacht, weshalb sie gemocht werden. Aber Schlafes Bruder rühre ich wohl trotzdem nicht noch einmal an.
a long way down
August 6th, 2005[current music: Spillsbury - jona]
„Ach wäre ich doch nur so gesund wie sie“ sagte er, als er die wohl älteste und kränkste Patientin der geschlossenen Abteilung der städtischen Psychiatrie sah. Und er meinte es ernst.
Der Roman A Long Way Down von Nick Hornby erinnert mich an diese Begebenheit. Er erzählt die Geschichte von vier Menschen. Vier Menschen, die in einer Silvesternacht auf ein Londoner Hochhaus stiegen, um sich das Leben zu nehmen. Sie treffen sich dort zufälligerweise und werden so von ihrem suizidalen Vorhaben erst einmal abgehalten, da niemand springen kann, wenn der andere dabei zuschaut. Sie reden über ihre Motivation zu springen und jeder will den anderen beweisen, dass es ihm am schlechtesten geht. Der Selbstmordtermin wird vorerst auf Valentinstag verlegt.
Bei den vier Personen handelt es sich um Maureen, welche ihren schwer behinderten Sohn pflegt und im Leben nichts anderes hat und sieht als ihn, Martin, der einmal ein bekannter Moderator im Fernsehen war, bis er einer Liebelei mit einer minderjährigen verfiel und daraufhin nicht nur seinen Job, sondern auch Familie und Ansehen verloren hat. Die dritte im Bunde ist Jess, ein achtzehnjähriges Mädchen, welches von ihrem Freund und ihrer Schwester verlassen wurde. Und dann gibt es noch JJ, dessen Liebe der Musik gehört – bis seine Band sich auflöste und seine Freundin ihn verlassen hat.
Nick Hornby erzählt eine skurrile Geschichte, von der man kaum annehmen würde, dass sie so im wahren Leben geschehen könnte, obwohl es theoretisch möglich wäre. Wer würde sich von einem Suizid abhalten lassen, weil drei weitere Personen mit demselben Vorhaben plötzlich auf dem Dach auftauchen? Wer würde mit diesen drei Menschen, die sich untereinander nicht kennen, wieder vom Dach hinabsteigen, um zu klären, warum Jess von ihrem Freund verlassen wurde, zusammen in den Urlaub fahren und eine Art Selbsthilfegruppe gründen? Trotz dieser Skurrilität – oder vielleicht gerade deshalb – ist das Buch faszinierend. Die vier Protagonisten, die verschiedener nicht hätten sein können, erzählen die Handlung abwechselnd aus ihren Gesichtspunkten fortlaufend, was das Lesen vereinfacht und abwechslungsreich gestaltet. Nicht selten erfährt man so Teile der Erzählung aus verschiedener Sicht, was ermöglicht, sich in die vier verschiedenen Charaktere hineinzuversetzen. Unweigerlich kommt es zu einer Entwicklung von Sympathien. Es ist bewundernswert, wie Hornby allein durch Sprache, Ausdruck und Gesagtem derart verschiedene Charaktere skizzieren kann.
Man darf hier allerdings keinen Roman erwarten, der psychiatrische Analyse und Lebensratgeber vereint. Es geht nicht darum, das Leid der vier Protagonisten auszuloten, nicht die Seelenqualen des einzelnen sind das Thema, sondern die ironische Betrachtungsweise des Lebens. Mit viel schwarzem Humor und Sarkasmus.
Möchte man eine Moral aus der Geschichte ziehen, so ist es wohl die, nicht gleich seinem Leben ein Ende zu setzen, sondern zu reden, sich kleine Ziele zu stecken und diese zu verwirklichen, um wieder das Gefühl einer höheren Lebensqualität zu erlangen. Das klingt jetzt zwar vielleicht banal, aber das Buch kann man durchaus weiter empfehlen; besonders denen, die Nick Hornby sowieso schon mögen.









