sickgirl

:)

April 30th, 2005

[current music: Hildegard Knef]

Juhu! Ich glaube, wir haben eine Wohnung! :)

Saint-Lazare

April 26th, 2005

Er zog seine schönsten Kleider an, zupfte die Spitzen seiner Manschetten zurecht und überreichte, nachlässig das Stöckchen mit Goldknauf schwingend, dem Direktor der Eisenbahnlinie West am Bahnhof Saint-Lazare seine Visitenkarte. Der Amtsdiener erstarrte, er führte ihn sofort herein. Die hochstehende Persönlichkeit bat den Besucher, Platz zu nehmen, der sich mit großer Schlichtheit vorstellte. “Ich bin der Maler Claude Monet.” Der Direktor hatte keine Ahnung von Malerei, wagte aber nicht, das einzugestehen. Monet ließ ihn einen Augenblick zappeln, ehe er ihm die große Neuigkeit mitzuteilen geruhte. “Ich habe beschlossen, Ihren Bahnhof zu malen. Lange zögerte ich zwischen der Gare du Nord und dem Ihrigen, aber ich glaube nun doch, Ihrer hat mehr Charakter.” Monet erreichte alles, was er wollte. Man hielt Züge an, sperrte Bahnsteige und stopfte die Lokomotiven mit Kohlen voll, damit sie so viel Dampf ausspien, wie es Monet beliebte. Tyrannisch richtete er sich im Bahnhof ein, malte tagelang unter allgemeiner Andacht und zog schließlich mit einem halben dutzend Bildern wieder von dannen.
[Renoir über Monets Inbesitznahme des Bahnhofs]

Ich fand das nur so schön, das muss hier rein. Und ein bisschen amüsant fand ich es auch. Gestern Nacht beim Lesen. Als ich nicht schlafen konnte.

würzburg

April 24th, 2005

[current music: Lacrimosa - fassade, 2. satz]

Es war hell. Vereinzelt sah ich ein paar mir nicht bekannte Menschen. Sie schienen beschäftigt und mich nicht zu sehen. Ich schloss die Augen. Es war zu hell. Ich blinzelte. Mir wurde schwarz vor Augen. Ich sah nichts mehr. Dann ganz verschwommen. Ich ging. Vorsichtig. Schritt für Schritt. Langsam. Ich schämte mich. Ich wusste nicht, wo ich war, wo ich hin möchte. Es war heiß. Ich schloss die Augen erneut. Jetzt sah ich klar. Ich sah Wasser. Es war wunderschön. Die Wellen liefen auf mich zu und kamen ein paar Meter vor mir zum Stehen. Ich ging auf ihnen zu. So schön. Es war alles gelb, dann schwarz. Ich lief weiter. Sah nichts. Nur Farben. Keine klaren Abgrenzungen. Ich stand auf Schienen. Ich ging weiter. Ich war hilflos, verloren. Angst.
Gestern Nacht war ich in Würzburg. In meinem Traum. Ich wollte davon erzählen. Ich wollte ihm erzählen, wie nah Würzburg ist. Dass wir dort unbedingt noch einmal hin müssen und ich schon dort war. Es ist so nah, dass ich dort war. Ich fand ihn nicht. Ich fand nichts. Es war alles so hell. Ich war geblendet. Egal, wo ich hinschaute und wie sehr ich die Augen zusammenkniff.

schwindel.gefühle

April 23rd, 2005

Gut war Gestern nicht.
In der Bibliothek des Kunstgeschichtlichen Instituts bin ich herum geirrt. Auf der Suche nach irgendwelchen Büchern, die mir etwas zur Geschichte des Marburger Universitätsmuseums erzählen (wollen). Mit Signaturen allein lässt sich nichts anfangen, wenn man sich nicht merken kann, wo die einzelnen Bücher jetzt standen und man niemanden fragen kann, da sowohl in der Kunstgeschichte als auch scheinbar in der Germanistik die Uni-Woche nur von Montag bis Donnerstag geht. Ja, wenigstens waren alle Schließfächer frei und meine Tasche sicher verstaut.
Ähnlich erfolgreich setzte sich der Tag fort. Sein Höhepunkt erreichte er in einem Duschakt meinerseits, der in Schwindelgefühlen und Atemnot gipfelte.
Aufgrund arktischer Temperaturen in meiner Wohnung (ich war unfähig den Gasofen zu bedienen), blieb mir nichts anderes übrig als heiß zu duschen. Ich hatte wohl das Gefühl für die Wärme verloren. Während meine Hände unendlich kribbelten, meine Füße und Schultern brannten, war das heiße Wasser am Rest des Körpers recht angenehm bzw. gar nicht heiß. In meinen Visionen entstieg ich noch kleiner, schrumpliger und röter als zuvor der Dusche, mit Verbänden eingewickelt, um die Augen anderer vor meinen Verbrennungen zu schützen.
Worin der Duschakt sein Ende fand, sagte ich ja schon.

Und heute habe ich Halsschmerzen. Fein.

er wollte aus seinem neuen Buch vorlesen

April 18th, 2005

Er wollte aus seinem neuen Buch vorlesen. Er hat sowieso in letzter Zeit eine Menge zu tun. Muss korrigieren, schreiben und sein Revier täglich ablaufen. Er sagte, die Oberstadt sei sein Revier.
Er steht vor mir, ruft meinen Namen. Ungeachtet dessen, dass ich telefoniere, erzählt er mir von seinem neuen Buch. Ich verspreche ihm, dass wir da sein werden. Alle beide. Wir werden zuhören.
Wir waren da. Vor ihm viele andere Auftritte. Aber zu bemerken war er die ganze Zeit. Ständig in Bewegung. Immer unterwegs. Alle 10 Minuten, wenn nicht öfter, ging er raus – die Flasche dabei, sein einziger Begleiter – und kam kurz danach wieder. Bisweilen blieb er unvermittelt stehen, schaute auf die Tafel. Auf den Plan, auf die Reihenfolge der Auftritte. Zwei oder drei Mal tat er das. Blieb mitten vor der Bühne stehen und schaute auf die Tafel.
Sobald Aktionen vom Publikum gefordert, war er dabei. Er schrie mit heiserer Stimme. So wie er damals meinen Namen rief. Nur viel heiserer.
Er stand auf der Bühne. Die Jacke, die er immer trägt. Zerknittert. Die Haare. Abrasiert. Bis auf ein paar wenige lange dünne Strähnen hinter dem rechten Ohr, durch die das Licht der Bühnenbeleuchtung schien. Er hustete. Er las. Und las. Und las. Und nicht vieles kam mir neu vor. Ich kannte das meiste. Verhaltenes Gelächter. Erwartungsvolle Blicke von der Bühne, die in den Raum schauten. Es strengte ihn an. Er verlas sich oft. Er stockte.
Es ist traurig.

spanisch

April 18th, 2005

Ich komme mir vor wie diese verrückte Frau in The Ring 2. Sie, die an einem Tisch sitzt und wie besessen Kreise aus Zeitungspapier schneidet.
In einem Anflug von Panik habe ich gestern Abend die grandiose Idee gehabt, für Spanisch sowas wie Vokabelkarten zu entwerfen, um mal einen Anfangspunkt beim Erlernen einer neuen Sprache zu setzen. Bei Latein hat es ja mit den Vokabelkarten auch gut geklappt. Latein ließ sich auch sowieso leichter lernen als Spanisch. Jedenfalls habe ich die gestrige Nacht und den heutigen Morgen damit verbracht Pappkärtchen zurecht zu schneiden – natürlich alles krumm und schief, denn auf Ästhetik kommt es hier nicht an -, um diese dann mit den Vokabeln der ersten vier Lektionen zu beschriften. Jetzt habe ich einen ganzen Plastiktopf mit krummen Karten und kann immer noch nicht wirklich viel Spanisches sagen… aber das wird ja hoffentlich noch.

red

April 15th, 2005

[current music: Doves - shadows of salford]

hide and seek – du kannst dich nicht verstecken

April 15th, 2005

[current music: Doves - some cities]

Ich dachte dieser Horror-Film-Trend in den Kinos, der momentan herrscht, ebbt einmal ab, aber immer, wenn ich wieder im Kino in der Trailershow sitze, sehe ich neue Ankündigungen für neue Horrorfilme. Demnächst also auch noch House Of Wax und der Amityville Horror. Und ich muss verzichten. Wahrscheinlich. Ich kann es mir eh nicht leisten.
Hide and Seek war ganz nett. Ehrlicherweise hat mich vor allem die Tatsache ins Kino gezogen, dass Robert De Niro mitspielt. Also eigentlich nicht wirklich Robert De Niro, sondern seine deutsche Synchronstimme.
An sich war der Film okay. Nicht sehr gruselig, fand ich. Meine Begleiterin sah das scheinbar anders bzw. sah nichts mehr, weil sie sich, immer wenn Spannung aufkam, die Augen zuhielt.
Der Film erinnerte mich von der Handlung her ein bisschen an High Tension, wobei dieser um einiges blutiger und spannender – und sowieso empfehlenswert – ist.
Die Handlung mal kurz zusammengefasst: David und die vom Tod ihrer Mutter traumatisierte Emily ziehen in ein neues zu Hause. Kurze Zeit später findet Emily einen Freund. Wie man annimmt, einen imaginären Freund namens Charlie. Charlie macht dann allerlei schlimme Sachen, die darauf schließen, dass er so imaginär gar nicht sein kann…

Würde ich sowas wie Filmpunkte vergeben, wären das hier vielleicht 7/10.

auguste

April 13th, 2005

[current music: Richard Cheese - chop suey]

Hier mal ein Foto, was auf dem Kongress entstanden ist:

Auf mehr habe ich gerade keine Lust. Ich kann die Bilder nicht mehr sehen.

Ich habe Auguste, die Weihnachtsgans, getroffen. Sie war verdammt groß und fett. Sie war gemein. Und wollte sich im Auto weder auf die Rückbank noch in den Fußraum des Beifahrersitzes setzen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich sowieso keine Beinfreiheit mehr gehabt hätte, wenn Auguste sich im Fußraum breit gemacht hätte. Aber das war gar nicht das Alptraumhafte an der letzten Nacht. Da war noch was anderes, was mich fast dazu gebracht hätte, schon aufzustehen als es noch dunkel war, nur weiß ich es nicht mehr.

feet

April 11th, 2005

[current music: Garbage - the trick is too keep breathing]

Der Stundenplan ändert sich stündlich. Was man nicht alles tolles im Vorlesungsverzeichnis entdeckt, wenn man mal weiter runterscrollt.
Ich habe mich für drei Exkursionen angemeldet. Zweien davon darf ich auf jeden Fall beiwohnen. Einmal gehts nach Mainz und einmal nach Arolsen. Und vielleicht auch nach Fulda.
Jetzt aber muss ich lesen. Zwei Dinge noch. Dann alle dreizehn gelesenen Werke nochmal in mein Gedächtnis zurückrufen und morgen irgendwie zwei Lektüretests meistern.
Um 16 Uhr findet heute meine erste Vorlesung dieses Semester statt.
Ein bisschen freue ich mich ja.

Georg, das ist für dich. Du weißt, warum.

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