as always
März 29th, 2005[current music: The Beta Band - dry the rain]
Ich bin ein bisschen lethargisch in diesen Tagen. Es passiert nicht viel.
Die meiste Zeit verbringe ich im Bett. Manchmal mit Kopfschmerzen. Oft mit Bauchschmerzen. Hin und wieder auch, wenn meine Gemütslage eine undefinierbare Form angenommen hat.
Ich warte auf meinen ersten Dekubitus.
Morgen wird alles gut: The Ring – Doppelnacht. The Ring und The Ring II im Kino.
Erinnerungen und Fotos von daheim
März 27th, 2005[current music: Peryton - wie kannst du sagen]
Ich frage mich manchmal, welche Erinnerung die älteste ist, die ich besitze. Das klingt jetzt gut. Das klingt so, als würde ich wirklich etwas besitzen. Etwas bedeutungsvolles. Und dabei kommt es gar nicht darauf an, wie alt sie ist. Sie ist ohnehin unvollständig.
In der Kinderkrippe war es. Er und ich saßen am Frühstückstisch – uns gegenüber. Wir hatten die von unseren Müttern geschmierten Brote dabei und packten sie auf die roten Teller. Und tranken Tee aus den Tassen. Wir klappten die Scheiben auseinander, aßen oder legten das, was sich dazwischen befand, beiseite und knabberten die Scheibchen so an, dass ihre Silhouette ein Tier ergab. Ich erinnere mich an einen Bär. Meine Brotscheibe sah aus wie ein Bär. Wie seine aussah, weiß ich nicht mehr.
Es war ganz kalt. Und dunkel. Ich war ganz alleine da draußen. Ich kann mich nicht mehr erinnern, was mich hinaustrieb. Ich zog mir eine hellblaue, kratzige Strumpfhose falsch herum an und rannte mit meinen Hausschuhen in den Schnee in den Garten hinaus. Er kam mir damals groß vor. So lang. Ich lief weiter. Ich verließ den Garten. Und stand irgendwann auf dem Hof meiner Großeltern. Ich weiß gar nicht, was ich dort wollte. Irgendwas vertrieb mich aus dem Haus. Ich kann mich nicht erinnern, ob es Angst, Gefahr oder Sehnsucht war.
bücherwurm
März 25th, 2005und dann
März 22nd, 2005Seit Mittwoch schon bin ich daheim – bei meinen Eltern. Wenig Internet, dafür viel TV.
Vielleicht ist das die Ursache meines monsterartigen Aussehens. Geschwollene, schmerzende Augen. Und kein Geld.
Samstag waren wir im Zoo in Berlin. Nicht im Tierpark, im Zoo. Derartige Verwirrungen führten schon auf der Hinfahrt zu Problemen, während mein Vater den Tierpark in Ostberlin ansteuerte, regte sich der sitzende Rest im Auto auf, dass man doch in den Zoo in Westberlin wollte. Man setzte sich durch.
Mit den Eltern im Zoo zu sein, verkürzt die Sache ungemein. Nach 3,5 Stunden waren wir wieder draußen und ich hab weder Biber noch Giraffen zu Gesicht bekommen.
Im Verhältnis zum Zoo-Aufenthalt verweilten wir allerdings viel zu lange im KaDeWe (Kaufhaus des Westens). Da bekommt mich keiner mehr rein.
Übermorgen geht’s wieder nach Marburg.
Und dann, dann weiß ich auch nicht weiter.
Und jetzt auch nicht.
Eine Rose gebrochen, ehe der Sturm sie entblättert.
März 15th, 2005
Ich weiß nicht mehr, wie alt ich damals und in welcher Klasse ich war, als wir Emilia Galotti von Lessing lesen sollten. Aber ich weiß noch, dass mir dieses Werk nicht sehr zusagte. Zumindest verbinde ich keine positiven Erinnerungen damit. Wenn nicht sogar keine Erinnerungen. Als ich nun das Buch erneut las, kamen mir einige Namen bekannt vor, viele Worte und ein paar Szenen, von der Handlungsabfolge aber wusste ich nichts mehr.
Was mich an der ganzen Sache verwundert, ist, dass ich es spannend fand und sogar ein bisschen rührend.
Das Buch erzählt die Geschichte des bürgerlichen Mädchens Emilia Galotti, die den Graf Appiani heiraten möchte. Der Prinz von Guastalla jedoch ist in dieses Mädchen verliebt und will die Heirat mit dem Grafen verhindern. Marinelli, der Kammerherr des Prinzen, schmiedet einen Plan, um sich vor seinem Herrn zu profilieren. Er lässt das in der Kutsche sitzende Hochzeitspaar überfallen. Dabei kommt der Graf ums Leben und Emilia flüchtet in das Schloss des Prinzen, welches sich zufälligerweise in der Nähe des Überfallortes befindet. Als Emilias Vater und die Gräfin Orsina – die ehemalige Geliebte des Prinzen aufeinandertreffen – bahnt sich die Katastrophe an…
Vielleicht hatte ich heute ein etwas naives Gemüt oder einen phantasielosen Tag, aber zu keiner Zeit erahnte ich, wie es weitergeht; was als nächstes geschieht. Ich lag immer falsch mit meinen Vorahnungen, aber ich hab mich im Vorfeld auch nicht wirklich informiert, um was es geht.
Am bedrückendsten erscheint mir die Situation am Ende des Werkes. Das, was danach kommt. Das, was nicht mehr im Buche steht. Ich mag es hier an dieser Stelle nicht erzählen, denn dann weiß ja jeder, wie es ausgeht.
Gleichgültigkeit! Gleichgültigkeit an die Stelle der Liebe? – Das heißt, nichts an die Stelle von etwas.
Leseliste
März 14th, 2005Um mich mal ein bisschen unter Druck zu setzen, hier die Liste der noch zu lesenden Sachen. Am 12.04. sind die Lektüretests. Wenn das mal nicht knapp ist. Wenigstens verschafft mir vielleicht diese Liste hier kleine Erfolgserlebnisse, indem ich immer das durchstreiche, was ich schon gelesen habe.
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Change, Wolfgang Bauer -
Über allen Gipfeln ist Ruh, Thomas Bernhard -
Baal, Bertolt Brecht -
Das Maß der Dinge, Neil La Bute -
Der Meteor, Friedrich Dürrenmatt -
Michael Kramer, Gerhart Hauptmann -
Gott ist ein DJ, Falk Richter - Der Marquis von Keith, Frank Wedekind
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Die Leiden des jungen Werther, Goethe Emilia Galotti, Lessing-
Effi Briest, Theodor Fontane -
Sterben, Arthur Schnitzler -
Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, Milan Kundera
Ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder eher heulen soll. Einerseits ist es ja toll diese ganzen Sachen lesen zu dürfen/können (oder auch müssen), aber andererseits hätte ich damit besser früher beginnen sollen.
attracted by vortexes
März 14th, 2005[current music: Björk - you've been flirting again]
Es ließ mich an den japanischen Horrorfilm Uzumaki denken. An die Frau, die eine Spiral-Phobie hatte. Die, nachdem sie sich die Fingerkuppen und ihre lockigen Haare entfernt hatte, einen Blumentopf zerschlug, um sich eine Scherbe in den Kopf zu schlagen damit sie sich vom letzten an ihrem Körper befindlichen Vortex befreien kann; von der Ohrschnecke.
So ging es mir gestern Nacht. Am liebsten hätte ich mich meiner rechten Kopfhälfte entledigt oder irgendetwas hineingerammt. Es pochte, ich krampfte, heulte, kotzte.
Schlaf selbst schützt nicht vor Migräne. Habe ich gelesen. Und es stimmt. Ich hatte schon Kopfschmerzen, als ich gegen 9 Uhr ins Bett ging. Als ich halb 12 wieder aufstand, halfen auch Tabletten nichts mehr.
Mir ist aufgefallen, dass es nur sehr wenige Vortex-ähnliche Gebilde gibt. Hier in der Wohnung zumindest; oder mir fehlt es an Phantasie. Würden hier Schnecken rumlaufen, wäre etwas hygienisch gesehen falsch, aber dann gäbe es etwas spiralartiges – vom Wasserstrudel mal abgesehen. Eigentlich auch egal. Wer braucht schon Spiralen.
Und am nächsten Morgen…
März 12th, 2005[current music: System Of A Down - needles]
Ich stellte meine Frage. Ich glaube, sie klang wie auswendig gelernt. Doch sie war es nicht wirklich. Gedanken gemacht habe ich mir schon. Ich habe es lange hinaus geschoben, doch kurz vor der Tür, kurz bevor ich anklopfte, überlegte ich mir noch schnell aus einer inneren Panik heraus, die Frage. Ich wusste, was ich fragen wollte. Nur wusste ich nicht wie. Lieber würde ich umkehren, einen Zettel unter der Tür durchschieben oder einen Brief verfassen.
Ich fragte und vergaß dabei Luft zu holen. Und zu lächeln. Sie lächelte. Sie lächelte sehr gequält, so schien es mir. So lächele ich bestimmt auch, wenn ich nicht gerade vergesse zu lächeln aufgrund völliger Überforderung.
Als ich sie so lächeln sah, fiel mir ein, was ich vergaß und zog meine Mundwinkel in die Höhe. Nur die lachen, alles andere nicht.
Das erinnert mich an all die Abende. Mein Mund ist müde. Mein Kopf nicht.
Und am nächsten Morgen hab ich manchmal das Gefühl, tatsächlich soviel gerannt zu sein, wie es das Traumgeschehen mir abverlangte.
Ciao!
März 10th, 2005[current music: Placebo - 20 years]
Ich habe ihn schon so oft gesehen. Immer durch die Scheibe hindurch. Erst wusste ich nicht, ob ich ihn toll oder doch einfach nur blöd finden soll. Wie er da saß mit seinem Mundschutz und dem weißen Kittel. Das passt so gar nicht zu einem Teddy. Ich entschied mich ihn zu mögen. Und irgendwann ging ich in das Antiquitätengeschäft hinein. Das Geschäft, in dem der Bär sitzt. Er ist nicht verkäuflich. Nein, er sollte sowieso nicht für mich sein. Und wäre er verkäuflich, hätte ich ihn mir ohnehin wahrscheinlich nicht leisten können. Das hat nicht der Verkäufer zu mir gesagt; das habe ich mir nur gedacht.
Ich besaß einmal einen Esel. Eine Handpuppe. So ganz aus Fell oder Stoff, ohne Holzkopf. Meine Großeltern und ich waren einkaufen und ich sah den Esel. Er war nicht schön. Ich wollte ihn unbedingt haben. Er war blau. Und das Fell nicht weich.
Ich mochte den Esel. Ich mochte schon immer all mein Spielzeug. Und den Esel besonders. Ich weiß nicht wieso, aber er kam irgendwie zu lange in Berührung mit meiner Nachttischlampe. Ich kann mich nicht erinnern, was der Esel auf der Lampe sollte. Ich kann mich nicht erinnern, was ich mir dabei gedacht habe. Es tat mir aber unendlich Leid, als ich den Esel sah. Er war nicht mehr blau, sondern verkohlt schwarz. Und durchlöchert. Das machte mich traurig. Um den Anblick nicht mehr ertragen zu müssen, versteckte ich ihn einige Jahre lang in der hintersten Ecke meines Kleiderschrankes unter einem Berg von Unterwäsche. Ich wollte ihn nicht mehr sehen und auch nicht einfach wegwerfen.
Letztendlich trennte ich mich dann doch irgendwann von ihm. Nach ein paar Jahren waren da zwar noch die Erinnerungen und eine gewisse Melancholie, doch ich konnte mich trennen. Ich dachte, so werfe ich auch die Erinnerungen hinfort, denn das wollte ich.
Ich lag falsch.
voller Tatendrang
März 9th, 2005Es ist alles durcheinander. Besonders mein Tag-Nacht-Rhythmus.
Beim Versuch mich davon zu überzeugen, dass Horoskope doch immer sehr gut zutreffen, las man mir mein Tageshoroskop vor, welches besagte, dass ich am gestrigen Tage schon sehr früh und voller Tatendrang aus meinem Bett und an die Arbeit gesprungen bin. Am Nachmittag setzte sich dieser Eifer fort und abends brauchte ich meine Ruhe, denn bei dem, was ich alles geleistet habe, ist das ja nur verständlich.
Das traf nur fast zu. Naja. Oder eher gar nicht – zur Enttäuschung des Astrologiebegeisterten jungen Herren an meiner Seite. Genaugenommen bin ich gestern um 14.30 Uhr aufgestanden und habe die restliche Zeit des Tages dumm mit dem Laptop im Bett gesessen und auf 20 Uhr gewartet, wo der Besuch einer Geburtstagsparty anstand.
Je länger und je öfter ich meine Zeit im Bett, mit Schlafen verbringe, desto größer wird meine Angst. Angst vor der Zukunft, Angst nicht alles zu schaffen, Angst davor irgendwas planen zu müssen. Dass das nicht davon besser wird, wenn ich mich einfach nochmal umdrehe und weiterschlafe, habe ich auch schon rausgefunden und eingesehen; dass das nicht reicht auch.
Ich weiß nicht, womit ich mir das verdient hätte, aber ich gehe nachher ins Kino – alleine. Ich möchte Saw sehen, solange er noch läuft.
Und damit das alles eine gute Wendung nimmt, ich langsam wieder auf die Beine komme, habe ich mir für morgen ganz viel vorgenommen.












